Grübel-Kolumne: Die Griechenland-Krise

Es gibt kein Entrinnen vor den Nachrichten über die Tragödie. Griechenland ist zahlungsunfähig. Rechnet man nur die Staatsschulden pro Kopf auf die 11 Millionen Griechen um, ergibt das etwa 30 000 Euro für jeden, Kinder und Pensionäre eingerechnet. Unbezahlbar. Aber Griechenland kann man nicht fallen lassen, es ist geopolitisch zu wichtig. Die jetzige Linksregierung wurde aus Verzweiflung gewählt, nicht weil sie eine Lösung hat. Und sie wird aus Verzweiflung wieder abgewählt werden.

Unabhängig davon, wie das Referendum ausgeht: Die Regierung Tsipras ist nicht verhandlungsfähig, da sie nicht erkennen oder zugeben will, dass Wirtschaft und Verwaltung Griechenlands neu strukturiert werden müssen. Es geht nicht um höhere Steuern oder Pensionskürzungen, es geht um das marode Wirtschaftssystem des Landes. Eine überbordende Bürokratie, der Ursprung aller Korruption, muss dringend abgebaut und reformiert werden. Es braucht ein funktionierendes Steuersystem und eine den Umständen angepasste Arbeitsgesetzgebung. Die nächste Regierung, die das verspricht, wird auf Wohlwollen in der Eurozone stossen und alle erdenkliche Unterstützung erfahren, inklusive eines Schuldenschnittes. Das ist der Plan.

Es ist nicht eine Frage von Sparmassnahmen.

Ohne diese Reformen ist es sinn- und zwecklos, Griechenland weitere Kredite zu gewähren, da sie einfach verpuffen würden.

Griechenland ist ein guter Test dafür, wie man mit unerwarteten und nicht rationalen Wahlergebnissen umgehen muss. Die Regierungen der Eurozone wissen, dass sie hart bleiben müssen, um den Euro zu erhalten. Interessant ist festzustellen, dass das griechische Referendum bei den Bürgern der EU mehrheitlich Unterstützung findet. Anscheinend ein Ausdruck des Verlangens, auch öfter über politische Entscheide abzustimmen. Da sind wir in der Schweiz voraus und sollten es bleiben.

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