«Bezeichnend, aber nicht über- raschend», twitterte «Medienwoche»-Redaktor Nick Lüthi am Tag nach der Publikation des Jahrbuchs über die Tatsache, dass kein Tamedia-Medium die Qualitäts-Studie thematisiert hat. Wie jedes Jahr kommt die Studie zu unguten Befunden. Zum Beispiel, dass die Einordnungsleistung der Medien stark abnimmt. Überall und bei allen, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat.

Und wie jedes Jahr beweist der Zürcher Grossverlag seine Unsouveränität im Umgang mit Kritik. In den beiden letzten Jahren hat Tamedia die Studie auf allen publizistischen Kanälen bekämpft. In diesem Jahr wird sie totgeschwiegen. Dank einer kurzen Agenturmeldung auf Newsnet entgeht Tamedia immerhin dem Vorwurf gezielter Zensur.

Die Posse ist perfekt: Dem marktmächtigsten Medienverlag fehlt die Grösse zu Kritik und Selbstkritik an der eigenen Branche, am eigenen Tun. Und er liefert damit den Beweis, dass die Sorge der Medienwissenschaft über die Medienkonzentration nicht einfach eine weltfremde Spinnerei ist. Auch wenn Social Media die- se Sorge etwas relativiert: Auf Twitter werden die Tamedia-Ländereien inzwischen als «Tamedistan» verspottet. Totschweigen ist eine Medienstrategie von gestern.

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