Ob in Österreich oder in der Schweiz: Der Franken hat einen schweren Stand. Umgekehrt wird der Euro hierzulande zu einem immer breiter akzeptierten Zahlungsmittel. Wie es der US-Dollar für Mexiko ist, so übernimmt der Euro in der Schweiz die Funktion einer Parallelwährung. Für viele Schweizer Unternehmen ist der Euro längst zur wichtigsten Kerngrösse der Bilanzsteuerung geworden. Geht es um Strom, Papier, Stahl, Öl oder Gas – fast alle Basisgüter werden in Euro oder US-Dollar gehandelt. Viele Finanzchefs von Schweizer Konzernen haben sich geistig vom Franken verabschiedet. Hinter vorgehaltener Hand sagt ein Unternehmer emotionslos: «Mir liegt der Franken nicht mehr am Herzen, er ist zu einer reinen Spekulationswährung verkommen.» Hätte er die Wahl, würde er seine Mitarbeiter in Euro bezahlen.

Die Nationalbank hat mit der Aufhebung des Mindestkurses einen «unabhängigen, eigenständigen Entscheid» getroffen, wie SNB-Chef Thomas Jordan am 15. Januar verkündete. Selbstbewusst distanzierte sich die SNB von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und erhielt dafür viel Kritik, aber auch Lob – so etwa von dieser Zeitung, welche die Aufhebung des Mindestkurses begrüsst hat. Von Anfang an war klar, dass der Schritt zu grossen Unsicherheiten führen wird. Das fordert nicht nur die Unternehmen und die Politik heraus. Sondern auch die Nationalbank selbst, welche die neue geldpolitische Ära mit allen Mitteln so verträglich wie möglich auszugestalten hat.

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