Der Kommentar: Alte Liebe rostet bekanntlich nicht. Schon gar nicht im Banking. Nirgends auf der Welt erzielen die beiden Grossbanken so hohe Margen wie in ihrem Heimmarkt Schweiz. Von ursprünglich drei soliden Ertragspfeilern glänzt nur noch das Schweizer Retail- und Firmenkundengeschäft. Das Investmentbanking liegt seit der Finanzkrise am Boden. Nun ist auch in der Paradedisziplin, der Vermögensverwaltung für Reiche, der Lack ab.

Deshalb buhlen Grossbanken wie röhrende Hirsche um die Schweizer Kundinnen und Kunden. Zusammen kommen sie im Heimmarkt auf einen Vorsteuergewinn von rund 4 Milliarden Franken. Das Geschäft ist hochprofitabel: Von jedem Franken Ertrag bleiben 50 Rappen als Gewinn in der Kasse. Nicht nur UBS und CS, sondern auch kleinere Institute greifen zu. Alle 24 Kantonalbanken erzielten 2015 3,3 Milliarden Vorsteuergewinn. Bei Raiffeisen war es 1 Milliarde. Somit kommen Gross-, Kantonal- und Raiffeisen-Banken auf deutlich über 8 Milliarden Gewinn – das ergibt einen glatten Tausender pro Kopf der Schweizer Bevölkerung. Das dürfte Weltrekord sein.

Ist das nicht zu viel für 08/15-Leistungen wie Geldüberweisungen, Kredite, Wertschriftenabwicklung, Kontoführung etc.? Wie profitabel das Schweizgeschäft ist, zeigt sich im Vergleich zu anderen Branchen. Der gesamte Schweizer Detailhandel – inklusive Migros und Coop – schreibt bei einem Umsatz von rund 100 Milliarden einen Gewinn von etwa 1,5 Milliarden Franken. Die Ankündigung der Banken, künftig in ihren Heimmärkten noch mehr Geld zu verdienen, ist somit auch als Übergriff aufs Portemonnaie der Schweizerinnen und Schweizer zu verstehen.

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