So etwa erleben wir heute selbst in der einst so potenten US-Wirtschaft ein desolates Krisenmanagement mit dem Resultat, dass dort der Regierung die staatliche Wirtschafts- und Finanzpolitik seit deren Rückfall in eine keynesianische Konjunkturstimulierung auf Pump praktisch aus dem Ruder gelaufen ist.

Noch desaströser präsentiert sich jedoch die Krisenbewältigung in unserem europäischen Umland: Hier hat sich eine kakofone politische Führungsriege, angeführt von Brüssel, Paris und Berlin, krampfhaft darauf fixiert, die genuin fehlkonstruierte Eurozone samt Einheitswährung sozusagen ohne Abstriche und um jeden Preis über die Runden zu bringen, und das ohne hinreichende Schuldenschnitte, ohne geordnete Insolvenzvorkehrungen sowie ohne schmerzhafte finanz- und wirtschaftspolitische Restrukturierungsreformen, dafür aber im Windschutz gefährlich hoch gehebelter Rettungsschirme. Denn nur so vermeinen sie an der Macht bleiben bzw. die nächsten Wahlen politisch überleben zu können. Von Gipfel zu Gipfel hechelnd lassen sie sich dabei durch stets neue Finten eines ebenfalls machtklammernden griechischen Regierungschefs Mal für Mal über den Tisch ziehen.

Dabei ist Griechenland mit seinem marginalen Anteil von rund 2,5 Prozent am EU-17-BIP nur deshalb von makroökonomischer Bedeutung, weil es seine kaum je mehr rückzahlbaren Schulden europaweit, vor allem von profitgetriebenen italienischen und französischen Grossbanken mit impliziter Staatsgarantie, refinanzieren liess. Daraus resultiert ein riesengrosses Ansteckungsrisiko für die beiden Länder, insbesondere für das (privatwirtschaftlich an sich durchaus sparsame und dynamische) Italien.

Dies wiederum schlägt sich in astronomisch explodierenden Risiko-Zuschlägen auf den Zinsen italienischer Staatspapiere nieder – mitverursacht durch einen Regierungschef, der sich selber zu einem miserablen Clown demontiert und sein Land in der ganzen Welt lächerlich und unglaubwürdig gemacht hat. In Frankreich vermag zwar dessen Präsident mit seinem forschen Louis-Quatorze-Gehabe viel Desolates zu vernebeln: So etwa ein hochfragiles Bankensystem, ein anämischer Arbeitsmarkt, eine mangels konkurrenzfähiger Exporteure lähmende Wachstumsschwäche und – damit verbunden – eine exzessiv steigende Staats- und Auslandverschuldung.

Dass beide Länder sowohl am EU- als auch am G-20-Gipfel ebenso harmlose wie untaugliche Sanierungsprogramme vorlegten, hat ebenfalls damit zu tun, dass sowohl der (innenpolitisch bereits abgehalfterte) Cavaliere als auch der rührige französische Präsident nicht nur den Euro, sondern primär ihr Verbleiben im Amt bzw. ihre Wiederwahl retten wollen.

Trotz allem: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Hoffnung nämlich, dass die mittlerweile unter supranationale Vormundschaft gestellten südeuropäischen Bevölkerungen mental grundlegend umschalten und sich dazu durchringen, ähnlich wie jene Islands und Irlands, auch schmerzhafte Einschnitte bzw. nachhaltige Restrukturierungsprogramme zu akzeptieren sowie – im Falle etwa von Griechenland und Italien – ihre politischen Führungspositionen endlich mit ökonomisch kompetentem und staatsmännisch solidem Personal neu zu besetzen.

Auf EU-Ebene gilt es, systemrelevante Banken, wie von der G-20 gefordert, raschmöglichst eigenkapitalmässig hochzufahren und auch risikosüchtige Gläubiger in die Verantwortung zu nehmen. Sodann dürfen Rettungsschirme sowohl der EU als auch des IWF strikte erst dann Hilfe leisten, nachdem im konkreten Fall die Umsetzung nachhaltiger Stabilisierungspläne effektiv in Gang gekommen ist. Ohne konkrete Konzepte einer geordneten Insolvenzabwicklung, leider auch ohne Schritte in Richtung Transferunion und ohne Leadership durch die nordeuropäischen EU-Staaten wird das jedoch kaum funktionieren.

Der schweizerischen Wirtschaftspolitik bleibt zwischenzeitlich nichts anderes, als das Zepter voll ihrer Notenbank zu überlassen. Diese hat es bisher meisterhaft verstanden, unser Land mit möglichst wenig Schaden durch Europas Wirrnisse zu steuern.

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