Der Kommentar: Trotz globaler Wirtschaftsflaute: Die Tourismuswirtschaft floriert. 2012 wurde erstmals die Schallmauer von einer Milliarde weltweiter touristischer Ankünfte überschritten. Die Tourismusindustrie trägt mit 9 Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Und wichtiger noch: Die Touristik schafft für über eine Viertelmilliarde Menschen Arbeit. Der Tourismus hilft, ganze Regionen und Volkswirtschaften zu stabilisieren. Dabei bleibt der Wachstumstrend auch in Zukunft ungebrochen. Die Welttourismusorganisation UNWTO rechnet bis 2020 mit 1,3 Milliarden jährlichen Ankünften, dies entspricht einem Anstieg von jährlich rund 4 Prozent. Die Urlaubsbranche hätte dann die Zahl an Touristen innerhalb von nur zwei Dekaden verdoppelt und stärkt damit auch weiterhin ihre Rolle als globale Schlüsselindustrie.

Mit den zunehmenden Reiseströmen einher gehen mehrere Megatrends und Entwicklungen, die das Gesicht der Branche verändern. Die weltweite touristische Klientel wird deutlich bunter, vielschichtiger und anspruchsvoller. Zwar bleiben die Europäer mit Aufwendungen von 430 Milliarden Euro im Jahr 2020 weiterhin Reiseweltmeister, jedoch holen andere Märkte gewaltig auf. Die Menschen in Asien, vornehmlich aus China und Indien, entdecken das Reisen als Quelle für Erholung und Inspiration. Allein diese beiden riesigen neuen Quellmärkte werden künftig jährlich um bis zu 13 Prozent wachsen. Die Zahl der Chinesen auf Europatour wird sich in den kommenden sieben Jahren vervierfachen. Und auch die Russen werden die Zahl ihrer Auslandtrips noch deutlich intensivieren.

Die neuen Kunden zeigen sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Bei Brasilianern etwa stehen Sightseeing und Städtereisen am höchsten im Kurs, russische Gäste lieben Sonne und Strände, bei Indern liegt das Shopping-Erlebnis an der Spitze der Werteskala und chinesische Touristen kombinieren besonders gerne Sightseeing mit Einkaufen. Sie alle brauchen Reiseleiter, die ihre Sprache sprechen, und Konzepte, die ihren Präferenzen gerecht werden. So bevorzugen 85 Prozent der indischen Urlauber auch auf Auslandsreisen traditionelle vegetarische Kost. Sicherheit und Orientierung sind für diese neuen Reisenden besonders wichtig. Für die Reiseindustrie stellen diese Bedürfnisse nicht nur eine Herausforderung dar, sondern bieten auch eine Chance für weiteres Wachstum und neue Erwerbsquellen.

Eine zweite Entwicklung lautet Differenzierung und Individualisierung und bezieht sich auf Reisende aus reifen Touristikmärkten wie Europa und den USA. Mit der zunehmenden Reiseerfahrung und der Ausdifferenzierung der Lebensstile werden auch die Ansprüche an das Reiseerlebnis individueller. Die Ferienmacher stellen sich seit Jahren darauf ein und designen immer speziellere Angebote für die schönsten Wochen des Jahres.

Hotelkonzepte werden auf die spezifischen Bedürfnisse einzelner Zielgruppen massgeschneidert. Diese Angebote erzielen eine ausgezeichnete Gästezufriedenheit, hohe Wiederholungsbuchungsraten und unter dem Strich bessere Margen. Austauschbar ist «out». Heutige Gäste suchen authentische Urlaubserlebnisse. Diese werden zu Statussymbolen, die auch gerne über soziale Netzwerke mitgeteilt werden. In diesem Zusammenhang spielt Nachhaltigkeit eine bestimmende Rolle. Der moderne Urlauber möchte mit seiner Reise Natur und Kultur des Gastlandes nicht schaden, sondern diese bewahren und zur Weiterentwicklung beitragen.

Nicht zuletzt prägen neue Technologien den Urlaub der Zukunft. Der Siegeszug des Internets hat bereits das Informations- und Buchungsverhalten tiefgreifend revolutioniert. Es gibt keine touristische Destination mehr, keine Fluglinie, keinen Urlaubsort, kein Hotel, ja nicht einmal ein besseres Restaurant, das nicht digital vernetzt ist. Jeder Tourist kann heute mit ein paar Mausklicks die Ziele seiner Urlaubsträume orten und virtuell besuchen. Die digitale Interaktion ermöglicht es, dass Unternehmen der Tourismusbranche mit ihren Kunden vor, während und nach der Urlaubsreise über mobile Endgeräte kommunizieren. Erlebnisportalen wie Getyourguide oder Isango gehört die Zukunft, sie bieten neben der Buchung von Ausflügen und anderen Reiseerlebnissen in der Destination auch sogenannte «location based services» an, die Nutzer von mobilen Endgeräten mit Reiseinformationen auf Basis des aktuellen Standorts versorgen.

Die Tourismuswirtschaft ist also gefordert. In den kommenden Jahren werden noch viele innovative Geschäftsmodelle entstehen.

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