Als Journalist ist man auf die immer zahlreicher werdenden Kommunikatoren und PR-Schwurbler in Politik und Wirtschaft – von Ausnahmen abgesehen – eher schlecht zu sprechen. Zwar betonen Mediensprecher gerne, sie würden die Journalisten bei ihrer Arbeit unterstützen wollen. Aber das ist selbstverständlich Mumpitz: Viel zu oft geht es darum, mit vielen Worten nichts zu sagen.

Als Reaktion auf das PR-Gewäsch aus den PR-Abteilungen hat die «New York Times» kürzlich einen Entscheid mit Signalwirkung gefällt: Das Weltblatt bittet nur noch Politiker und Wirtschaftsführer zu Interviews, die auf eine Autorisierung ihrer Aussagen verzichten. Viel zu oft wurde das Gesagte nachträglich entschärft, verwässert, abgeschliffen.

Diese Unsitte grassiert gleichermassen auch in der Schweiz. Die Abwehr kritischer Fragen und die Eingriffe in Interviews korrelieren dabei mit der Grösse der Kommunikationsabteilung. Schliesslich muss der Job gerechtfertigt werden.

Das führt zu immer groteskeren Situationen. Zum Beispiel dazu, dass Bundesräte oder Wirtschaftsführer von ihren Kommunikatoren bevormundet werden. Nicht mehr reden dürfen, selbst wenn sie wollen. Abgeschirmt werden, mundtot gemacht, aus dem Verkehr gezogen.

Es wird der Tag kommen, an dem jene, die in Politik und Wirtschaft das Sagen haben, gar nichts mehr sagen dürfen. Ohne Kontaktmöglichkeiten nach aussen in ihren Büros eingesperrt sind, bewacht von einem Kommunikator an der Tür. Sie lachen? Es ist zum Weinen!

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