Die Nachricht: Am Autosalon und anderswo ist das selbstfahrende Auto ein grosses Thema. Doch nun floppte ausgerechnet der Google-Wagen.

Der Kommentar: In der Autoindustrie ist ein Rennen im Gang: Wer bringt das erste selbstfahrende Auto auf den Markt? Die Hersteller sind unter Zugzwang, denn mit Google ist ein branchenfremder Konkurrent aufgetaucht. Der Internet-Riese trieb die Entwicklung kräftig voran – und ist in den USA schon seit sechs Jahren mit Testfahrzeugen unterwegs. Alle zitterten vor ihm, und jetzt das! Am Montag verursachte ein Google-Auto einen Unfall. Zwar gab es nur Blechschaden: Das Google-Auto rammte einen Bus mit Schrittgeschwindigkeit, weil es einem Hindernis ausweichen wollte. Aber die Streifkollision ist von hohem Symbolwert – am Autosalon in Genf war sie immer wieder Gesprächsthema.

Der Zwischenfall zeigt, woran es den Systemen noch fehlt. Bei aller Überlegenheit gegenüber einem menschlichen Fahrer – die Sensoren werden nie müde, sind niemals abgelenkt, und sie können gleichzeitig in alle Richtungen schauen – fehlt es dem Computer noch an Gefühl, an Intuition. Er kann nicht vorausahnen, wie der Mensch im Auto vor ihm reagieren könnte. Instinktiv geht der menschliche Fahrer vielleicht vom Gas, wenn er das Gefühl hat, dass Gefahr droht. Der Computer muss ohne solche Vorahnungen fahren. Zumindest solange noch menschliche Fahrer unterwegs sind. Sind nur noch autonome Autos auf der Strasse, können sie miteinander kommunizieren.

In den USA wird bei Unfällen nicht der Fahrer, sondern der Entwickler rechtlich belangt. Verantwortlich wird sich dennoch der Fahrer fühlen. Insofern ist es wohl für alle Beteiligten besser, wenn wir noch viel lernen, bevor das autonome Auto auf die Strasse kommt. Der viel beachtete Google-Unfall zeigt: Bis dahin ist es noch eine grosse Route.

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