Google mitten im Gesicht

Das Handy hat sich vom technischen Gerät zum Lifestyle-Objekt entwickelt. Nun erprobt Google, ob auch der umgekehrte Weg gangbar ist: Aus der Brille – die ja schon längst mehr Accessoire als Sehhilfe ist – will das Internet-Unternehmen ein technisches Gerät machen. Die Datenbrille Google Glass wurde vor wenigen Wochen an ausgewählte Entwickler zum Preis von 1500 Dollar ausgeliefert.

Offiziell zu kaufen wird es die Brille nicht vor 2014 geben. Doch bereits jetzt erreichen uns die ersten Testberichte – und diese fallen durchmischt aus. Der Technik-Evangelist Robert Scoble ist von der Brille so sehr begeistert, dass er sie nicht einmal mehr zum Duschen abnehmen will. Mike Butcher von Techcrunch hingegen glaubt, dass Google Glass der Segway unserer Zeit werden wird, «als revolutionär gefeiert, aber am Ende nur von Lagerhausarbeitern und Kaufhausdetektiven genutzt».

Um nicht zum Segway, sondern dem Smartphone dieses Jahrzehnts zu werden – zuerst kritisch beäugt, dann von allen genutzt –, muss sich Google Glass zum Mode-Objekt entwickeln. Denn wir geben uns vielleicht mit hässlichen Kaffeemaschinen und wenig eleganten GPS-Geräten ab. Doch Technik, die wir mitten im Gesicht tragen sollen, hat gefälligst ästhetisch zu sein. Entweder gelingt es Google die Hardware so zu verkleinern, dass sie in ein Ray-Ban-Gestell passt. Oder die Brille mit dem dicken rechten Bügel muss selber einen Modetrend auslösen. Dafür aber sollte Google sie nicht den Tech-Bloggern ausliefern, sondern Victoria Beckham und Brad Pitt.

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