Antwort von Oswald Grübel: Um unsere einheimische Wirtschaft zu schützen, haben wir im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt die grössten Devisenreserven der Welt aufgebaut. Die Bilanzsumme der SNB beträgt ca. 70 Prozent vom BIP, diejenige der Europäischen Zentralbank für die Eurozone nur ca. 30 Prozent. Es ist anzunehmen, dass der politische Wille, den Franken weiter abzuschwächen, nachlassen wird, wenn die Bilanzsumme der SNB 100 Prozent des Bruttoinlandprodukts erreicht. Die Wertschwankungen der Devisenreserven könnten dann eine Grössenordnung erreichen, die selbst unseren Staatshaushalt übertrifft.

Ist jetzt deshalb ein guter Zeitpunkt, den Mindestkurs aufzugeben? Noch nicht. Der Euro müsste erst über Fr. 1.30 steigen und die SNB in der Lage sein, die Devisenreserven erheblich abzubauen, bevor wir daran denken könnten, den Mindestkurs von Fr. 1.20 aufzugeben. Auch hier gelten die Gesetze des Marktes: Es ist sehr einfach zu kaufen, aber sehr schwierig zu verkaufen. Die «glückliche» Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro haben wir weniger dem Mindestkurs als den Minuszinsen für den Franken und der derzeitigen Erholung des Euros gegenüber anderen Währungen zu verdanken.

Der Euro könnte noch eine Weile steigen, denn die grössten Ängste sind beschwichtigt und werden vielleicht erst wieder im September, nach den Wahlen in Deutschland, aufflackern. Denn dann kommt die Erkenntnis, dass die Staatsschulden in der Eurozone weiter gestiegen sind, das Wirtschaftswachstum dagegen nicht. Die Götterdämmerung findet noch nicht statt. Hoffen wir, dass dieses Experiment glücklich ausgehen wird für unser Land.

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