Der Kommentar: Es ist nicht einfach für die Behörden, die Gefährlichkeit von Sexual- und Gewaltstraftätern einzuschätzen. Liegen sie richtig, bekommt dies die Bevölkerung meist nicht mit. Liegen sie falsch, sind die Folgen oft verheerend. Das zeigte sich, als der verurteilte Vergewaltiger Fabrice A. im vergangenen September auf dem Weg zur Reittherapie die Sozialtherapeutin Adeline ermordete. Die Vollzugsbehörden hatten das Rückfallrisiko von Fabrice A. komplett falsch eingeschätzt und dadurch das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Sofort wurde nach härteren Strafen gerufen. Doch braucht es die überhaupt?

Besser wäre ein konsequenter Vollzug. Es sollte keine Rolle spielen, ob ein Täter in der Waadt oder in St. Gallen in Haft ist. Es braucht endlich gleiche Kriterien, die festlegen, ob ein Täter rückfallgefährdet ist oder nicht. Dem angenommen hat sich das Amt für Justizvollzug Zürich. Mit Unterstützung weiterer Kantone wurde jeder Täter bei Strafantritt unter die Lupe genommen und je nach Risiko in die Kategorie A, B oder C eingeteilt. C bedeutet Risikotäter. Jetzt zeigt ein Bericht: Das Triage-Instrument erweist sich als treffsicher. 75 Prozent der C-Täter wurden tatsächlich wieder straffällig. Einige davon verübten gar schwere Sexual- oder Gewaltdelikte.

Die Triage-Methode der Zürcher kann für einige Täter eine Verschärfung bedeuten. Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, wenn beispielsweise Freigänge genauer überprüft werden. Fälle wie der von Adeline dürfen sich nicht wiederholen.

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