So schnell kann es gehen: Bis vor drei Monaten befand sich Ebola nicht auf der Prioritätenliste der Weltgesundheitsorganisation, weil das Virus nur sporadisch und isoliert aufgetaucht ist. Die meisten Menschen wussten vermutlich gar nicht einmal, dass es diesen gefährlichen Erreger gibt. Inzwischen hören und lesen wir jeden Tag neue Meldungen über das Virus Ebola, über dessen Ausbreitung in Afrika und die Schwierigkeiten bei der Eindämmung der Ausbreitung. Selbst der Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, bezeichnet die Seuche als «Gefahr für die globale Sicherheit». Die Amerikaner stellen gar militärische Truppen ab, um gegen die Krankheit zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich auch für die Schweiz die Frage, wie wir uns wirkungsvoll vor einem Auftreten der Krankheit schützen können und wo es allenfalls Lücken im Schutz gibt.

Einer der wesentlichen Risikofaktoren für das Einbringen von neuen Krankheiten in die Schweiz sind die eintreffenden Asylsuchenden – das ist offensichtlich. Allein im vergangenen Jahr sind 21 465 Personen als Asylsuchende in der Schweiz angekommen. Wenn sie ankommen, sind sie meist erschöpft. Viele von ihnen haben eine entbehrungsreiche Reise hinter sich, sie konnten unterwegs sanitarische Grundbedürfnisse kaum decken.

Eine der ersten Massnahmen in den Empfangszentren liegt deshalb darin, die Ankommenden nach ihrem Gesundheitszustand zu befragen und ihnen Hilfe zu bieten. Die Asylsuchenden müssen für die Abklärung der Gesundheit ein Formular ausfüllen – es gilt die Selbstdeklaration. Viele, so vermute ich, sind aber allein durch die Sprachbarriere kaum in der Lage, richtige Angaben zu machen. Teilweise sind sie auch unsicher, was es bedeutet, wenn sie krank sind. Könnte dies dazu führen, dass ihr Gesuch schlechter behandelt wird? Dies wäre eine nur allzu menschliche, wenn auch völlig falsche Vermutung.

Vom Empfang geht es dann weiter ins Asylzentrum. Dort kommt es aus ganz unterschiedlichen Gründen auch immer wieder zu medizinischen Problemen: In den Asylzentren leben die Menschen auf engstem Raum. Die Ansteckungsgefahr ist dort besonders hoch, wegen der physischen Nähe, aber natürlich auch, weil viele Ankommende von den Strapazen geschwächt sind. Im Anschluss werden die Asylbewerber dann auf die Kantone verteilt. Oft werden Krankheiten erst dann erkannt – also eigentlich viel zu spät.

Eine zweite Frage, die sich neben dem Gesundheitscheck klar stellt, ist jene nach dem Umgang mit potenziellen Ebola-Patienten. Was würden wir tun, wenn wirklich Fälle in den Asylzentren oder anderswo auftreten? Bis heute ist nicht klar, wie genau sichergestellt wird, dass eine entsprechende Bedrohung abgewendet beziehungsweise wie damit umgegangen werden kann.

Der Bundesrat ist aus meiner Sicht daher in der Pflicht, für eintreffende Asylsuchende Eintrittsuntersuchungen verbindlich zu erklären und gleichzeitig aufzuzeigen, wie im Fall von Ebola-Patienten sichergestellt werden kann, dass Betroffene auf professionelle und sichere Art isoliert werden können. Dies ist entscheidend – zum Schutz der Asylsuchenden und auch zum Schutz der Schweizer Bevölkerung.

Ein einfaches Instrument, und auch ein nötiges, ist der Ausbau der systematischen grenzsanitarischen Untersuchungen. Das bedeutet, dass ankommende Asylsuchende obligatorisch einen Gesundheitscheck durchlaufen. Auf diesem Weg könnten neben den sehr gefährlichen Krankheiten auch lästige Hygiene-Probleme rechtzeitig erkannt und gelöst werden. Bettwanzen und Krätze scheinen sich in verschiedenen Asylzentren auszubreiten, weil Asylbewerber auf ihrem langen Weg in die Schweiz oft unter unmenschlichen und unhygienischsten Bedingungen leben und sich Ungeziefer auch hierzulande schnell ausbreitet, wenn es erst einmal da ist.

Zum Schutz der eigenen Bevölkerung in der Schweiz, aber vor allem auch zum Schutz der Asylbewerber in den Zentren müssen wir hier sorgfältiger werden. Die Massnahmen, die wir heute ergreifen, reichen nicht aus. Als Gesundheitspolitikerin bin ich überzeugt, dass eine grundsätzliche Eintrittsuntersuchung von Asylbewerbern klare Vorteile hätte. Auch wenn so ein Check-up nicht gratis zu haben ist. Die Kosten sind hier klar tiefer als der Nutzen. Gelingt es hingegen, nun eine Verbesserung mit einfachen Massnahmen zu erzielen, dann ist allen gedient.

* Ruth Humbel ist CVP-Nationalrätin aus dem Aargau. Sie befasst sich vor allem mit Fragen im Bereich der Gesundheit.

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