Doch selber glücklich mit dem Gripen-Kauf wird Maurer nicht, der immer deutlichere Züge eines eidgenössischen Murkses annimmt. Warum soll die Schweiz einen Flieger kaufen, der nicht fertig entwickelt ist, der das «grösste Risiko» darstellt, wie ein Untersuchungsbericht diese Woche vernichtend feststellte? Und mit dem aussenpolitisch kein Topf zu gewinnen ist?

So kommt das Angebot aus Deutschland wie gerufen. Bei den 33 Eurofightern handelt es sich nicht um fabrikneue Kampfjets, sondern um Gebrauchtflieger, die bereits bei der deutschen Bundeswehr im Einsatz standen. Kostenpunkt 3,2 Milliarden. Das Angebot ist bestechend. Die Schweiz erhält mehr und leistungsfähigere Flieger zum gleichen Preis.

Doch soll die Schweiz auch auf diesen Occasions-Handel einsteigen? Der Bauch sagt: Nein. Die Beziehung zu unserem mächtigen Nachbarstaat hat sich in den letzten Jahren deutlich abgekühlt. Deutschland ist vom freundlichen Nachbarn zum Angreifer geworden. Steuerstreit, CD-Käufe, Fluglärmstreit und herablassende Rhetorik deutscher Politiker: Das alles hat den Schweizern die Laune verdorben, in Deutschland im grossen Stil auf Einkaufstour zu gehen.

Dennoch könnte es gescheiter sein, mit den Deutschen ein Milliardengeschäft abzuschliessen. Allerdings nur, wenn es gelingt, die verkorkste Beziehung wieder auf eine vernünftige Basis zu stellen. Und das bedeutet, dass sich unser nördlicher Nachbar in entscheidenden Dossiers kompromissbereit zeigen muss.

Das Zauberwort heisst: Verknüpfung der Geschäfte. Was im normalen Geschäftsleben gängige Praxis ist, funktioniert auch in der hohen Diplomatie. Die Kampfjetbeschaffung ist ein Milliarden-Pfand, das die Schweiz nicht ohne substanzielle Gegenleistung aus der Hand geben sollte.

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