Gemeinwohl oder Geschäft?

Ex-«Watson»-Chef Hansi Voigt hat diese Woche in der «Zeit Schweiz» die ganze Tragik der anstehenden Service-public-Debatte in einen Satz gepackt: «Ein Verlagshaus, das gar nichts mehr mit Inhalten zu tun haben will, und eine Vermarkterin von ausländischen Trash-TV-Formaten gehören zu den Lautesten in einer Debatte, in der es nicht nur um die Zukunft der Branche, sondern auch der eidgenössischen Demokratie geht.»

Gemeint ist Tamedia, die mit «20 Minuten» Hintergrundinformationen für schweizweit zwei Millionen Leserinnen und Leser abgeschafft hat. Und Goldbach Media, die ausländische TV-Werbefenster vermarktet und dem Schweizer Medienmarkt damit Millionen entzieht. Sie sind Wortführer im Kampf gegen die SRG, was ihr gutes Recht ist. Aber wer vertritt in dem Kampf die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, der Öffentlichkeit, der direkten Demokratie?

Auch den Verlegerverband regiert künftig die Tamedia. Es wird deshalb wichtig, ganz genau hinzuschauen: Dient die Neugestaltung der Medienpolitik dem Gemeinwohl – oder nur dem Geschäft?

Apropos: Wo sind eigentlich die Schweizer Blogger und Vlogger mit Reichweite und Relevanz, wenn die Öffentlichkeit sie braucht? Die Res publica in der Schweiz – schnarcht!

Ziel der Medienpolitik muss sein, dass der Schweizer Journalismus qualitativ, ökonomisch und technisch mit den internationalen Entwicklungen mithalten kann und aus jeder Region mindestens
zwei unabhängige Medienanbieter bis auf die lokale Ebene relevant berichten. Über alles andere lässt sich demokratisch und unter Aufsicht (selbst-)kritischer Medien streiten.

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