An die Stelle des Mindestkurses setzte er den Negativzins. Dieser sollte fortan helfen, den Franken zu schwächen. Er sollte ausländische Investoren davor abschrecken, Geld in Franken-Anlagen zu parkieren. Doch bisher ist von dieser erhofften Wirkung wenig zu spüren. Auch muss die Nationalbank weiterhin massiv am Devisenmarkt intervenieren, um ein Überschiessen des Frankens zu verhindern. Die Bilanz klettert Monat für Monat auf neue Höchststände.

Mit der Einführung des Negativzinses wagte sich die Nationalbank in unbekanntes Terrain vor. Einzig die dänische Notenbank sammelte kurz vor ihr Erfahrungen mit Negativzinsen. Die Dänen haben inzwischen festgestellt, dass die Wirkung ganz anders ausgefallen ist, als man sich das in der Theorie vorgestellt hatte. Statt das Geld auszugeben, legten die Bürger noch mehr Geld auf die hohe Kante, um ihre Kaufkraft zu schützen. In der Schweiz geschieht genau das Gleiche.

Langfristig drohen verheerende Folgen für die Vorsorgewerke. Deshalb schlagen Pensionskassen-Vertreter wie Finanzprofessor Martin Janssen Alarm. Er fordert die Abschaffung des Negativzinses. Eine erneute deutliche Aufwertung des Franken sei dabei in Kauf zu nehmen – auch dann, wenn dabei Industriejobs vernichtet werden. Davor wiederum warnen eindringlich Vertreter des Werkplatzes wie Rudolf Strahm.

Das zeigt: Bei der Geldpolitik geht es längst um weit mehr als nur um Leitzinsen und Inflationsprognosen. Es geht um die Zukunft unsere Arbeit, um unser Erspartes und unsere künftigen Renten. Die Geldpolitik betrifft unser Leben in einem Ausmass wie noch selten zuvor. Deshalb ist es nachvollziehbar, wenn Ex-Raiffeisenchef Pierin Vincenz im Interview fordert, dass wir die Diskussion nicht nur der Nationalbank überlassen dürfen. Es braucht eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, welche Geldpolitik wir wollen. Sie geht uns alle an.

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