Der Kommentar: 21 Jahre lang hat Alexander Pereira das Opernhaus Zürich so geführt, dass manch einer meint, vorher habe es dort gar nie Oper gegeben. Diese Leute reden jetzt schon das Ende von Pereiras Nachfolger, Andreas Homoki, herbei. Wahrscheinlich wird sie Homoki noch überraschen – nicht nur mit der zurückgewonnenen Edita Gruberova. In drei Jahren haben er und sein Team sich intensiv mit Zürich auseinandergesetzt. Homokis Ideen und sein Optimismus erstaunen: Er wird die Kartenpreise senken, will aber genauso gute Kunst bieten.

Pereira glaubte fest daran, dass jeder in die Kunst investierte Franken sich an der Kasse bemerkbar mache: Bringe ich den Startenor, kommen mehr Leute. Bringe ich drei Stars, kommen noch mehr Leute. Das Geld/Kunst-Spiel ging lange auf. Die Auslastung wuchs. Wer viel Geld hatte, zeigte sich bei den Premieren. Pereira konnte die Kartenpreise verdoppeln. Die Sponsorengelder stiegen bis 12 Millionen – und Pereiras daran gekoppelter Lohn auf
1 Million. Noch viel mehr stiegen die Subventionen. Und doch gabs 2010 rund 5 Millionen Verlust.

Dank Pereiras kaufmännischer Vorarbeit kann Homoki mit 78 Millionen Subventionen und fast genauso viel Sponsorengeld (zurzeit 9 Mio.) rechnen. Doch da er weniger oft, aber risikoreicher spielt und trotzdem die Kartenpreise senkt, muss er sparen. Er kann es offenbar, obwohl man uns über Jahre erzählte, dass das in Zürich unmöglich sei.

Homoki wird Musiktheater auf höchstem Niveau mit internationaler Ausstrahlung bieten, aber er wird dem Haus ein neues Image geben. Der Berliner weiss, dass es nicht nur im Zürichberg Opernliebhaber, sondern dass es auch im Kreis 3, 4, 5 und 6 kulturaffine Menschen gibt. Mit Geld und Geist.