Der Kommentar: Der Datendiebstahl beim Nachrichtendienst des Bundes wird zu einem Fall Seiler. Am Dienstag warf ihm die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments schwerwiegende Unterlassungen vor. Sie kritisierte, er habe das Risikomanagement vernachlässigt und den Schaden durch das Datenleck nicht genügend ermittelt.

Vor diesem Hintergrund mutet es fragwürdig an, dass sich Markus Seiler neben seiner Aufgabe als Chef eines Bundesamtes etliche Nebenämter aufgeladen hat. Dass er sich als Lokalpolitiker exponiert, kann zu Interessenkonflikten führen. Und es stellt sich die Frage: Hat Seiler Zeit für seine Nebenämter? Oder rauben sie ihm die Zeit, sich voll für seine Hauptaufgabe einzusetzen und in seinem Stall Ordnung zu schaffen?

Dass Bundesrat Ueli Maurer die Nebentätigkeiten abgesegnet hat, macht die Sache nicht besser,
sondern schlimmer. Maurer fehlte das Fingerspitzengefühl in dieser Angelegenheit. Die Geschäftsprüfungsdelegation zielte deshalb in die richtige Richtung, als sie auch den Departementschef rügte und von ihm Auskunft darüber verlangte, wie er seine Aufsicht über den Nachrichtendienst ausübt.

Seltsam ist überdies, wie angreifbar sich Seiler macht. So begab er sich in den letzten zwei Jahren auf eine öffentlich angekündigte Vortragstournee, dank der jedermann wissen konnte, wo einer der obersten Geheimnisträger der Schweiz sich gerade aufhielt. Nicht auszudenken, wenn ihm ein Feind etwas Böses hätte tun wollen. Ein Nachrichtendienstchef, der sich mit Nebenämtern überfrachtet und sogar sein eigenes Risikomanagement vernachlässigt, ist für diese Aufgabe nicht geeignet.

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