Der Kommentar: Das Problem am Positionspapier der Intellektuellen-Vereinigung Club Helvétique ist nicht die Forderung, die Schweiz müsse eine Debatte über den EU- und Euro-Beitritt führen. Diese Forderung ist berechtigt: Ein Jahr nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative und einen Monat nach dem Ende des Euro-Mindestkurses müssen in der Tat alle europapolitischen Optionen offen diskutiert werden. Gerade im Wahljahr sollten alle Parteien Farbe bekennen und sagen, wie sie es mit der EU und dem Euro halten. Die SP hat den Beitritt im Parteiprogramm, doch sie versucht die Debatte darüber – weil es unpopulär ist – im Keim zu ersticken.

Das Problem ist ein anderes. Es reicht nicht, Debatten zu lancieren. Es muss mehr kommen, gerade von Intellektuellen. Jedermann weiss, dass ein EU-Beitritt auch langfristig weder im Parlament noch im Volk eine Chance hat. Jetzt bräuchte es die Denkkraft der klügsten Leute für die wirklich relevanten Fragen: Was für Alternativen bieten sich der Schweiz zwischen EU-Beitritt und Alleingang? Gibt es einen dritten Weg über den heutigen Bilateralismus hinaus, der im Positionspapier womöglich voreilig als «Auslaufmodell» bezeichnet wird? Wie können wir die politische Unabhängigkeit und die direkte Demokratie bewahren und zugleich mit unserem wichtigsten Handelspartner EU ein geordnetes Verhältnis führen?

Dass der Club Helvétique diese Fragen ausblendet, ist eine verpasste Chance – und vielleicht kein Zufall. Viele Intellektuelle schwärmen für die EU und genieren sich für die eigenwillige Schweiz. Sie sind in ihren Denkmustern gefangen.

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