Der Kommentar: Neue Kirchen, in denen die Lehre von Sektengründer L. Ron Hubbard praktiziert wird, sollen bald in der ganzen Schweiz von Scientologen bevölkert werden. Es sind Kirchen, die dann zur Gefahr werden, wenn sie tatsächlich voll werden. Denn gefährlich ist Scientology für all jene, die in die Fänge der Sekte geraten. Sie verlieren ihre Freiheit, ihr Geld, ihre Familie, ihr soziales Netz.

Derzeit gibt es zwar keine Anzeichen, dass die Psycho-Sekte plötzlich grossen Zulauf generieren könnte. Die Mitgliederzahlen in der Schweiz sind seit Jahren konstant tief, bei geschätzten tausend Anhängern. Die Bevölkerung gilt als überdurchschnittlich sensibilisiert. Trotzdem: Scientology macht aus ihren Plänen kein Geheimnis mehr. Die Sekte will offensichtlich neue Mitglieder anwerben. Scientologen investieren zumindest in Basel viel Geld in eine Kirche, die in Zukunft von möglichst vielen Anhängern genutzt werden soll.

Deshalb gilt es, die Aktivitäten von Scientology in der Schweiz genau zu beobachten, bei der Beurteilung der Gefahr jedoch nüchtern zu bleiben. Denn die Sekte löst mit ihren umstrittenen Theorien eine ungebremste Faszination aus, auch bei ihren Gegnern. Dies führt teilweise zu abstrusen Verschwörungstheorien. Warum diese immer wieder Aufwind erhalten, zeigte auf erschütternde Weise ein Dokumentarfilm, den der Deutsche Sender Arte neulich über den Scientology-Geheimdienst OSA ausstrahlte. Darin kommt die grosse Macht der Sekte zum Ausdruck und ihre perfide und einschüchternde Arbeitsweise. An vorderster Front bei OSA im deutschsprachigen Raum wirkt der Schweizer Ur-Scientologe Jürg Stettler, Präsident der Scientology Kirche Zürich. Ein weiterer Grund, Scientology in der Schweiz nicht aus den Augen zu verlieren.

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