Anders gelagert ist der Fall des Datendiebstahls beim Nachrichtendienst des Bundes, der diese Woche bekannt wurde. Wenn ein Informatiker mehrere Festplatten aus dem schweizerischen «Pentagon», wie die Nachrichtendienst-Zentrale in Bern genannt wird, unbehelligt nach Hause tragen kann, dann ist das nicht mehr nur ein Blechschaden, sondern einen GAU, wie Bundesrat Ueli Mauer gestern im NZZ-Interview sagte. Wären die Daten weitergegeben worden, hätte dies das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Schweiz nachhaltig beschädigt.

Beunruhigend ist vor allem die Leichtigkeit, mit welcher der Dieb die Daten abzügeln konnte. Wie unsere Recherchen ergeben haben, ist die Informatik-Abteilung des Nachrichtendienstes, welche die sensibelsten Daten des Landes sammelt und hortet, ohne Führung. Die Sicherheitskonzepte sind offenbar völlig veraltet. Jede Regionalbank scheint es mit der Datensicherheit ernster zu nehmen.

Im Zeitalter von Wikileaks kann sich das ein Geheimdienst freilich nicht leisten. Das Problem dabei ist nicht die Transparenz, die sich weltweit durchsetzt, sondern die Anreize, die damit verbunden sind. Für illegal beschaffte Daten ist in den letzten Jahren ein äusserst lukrativer Markt entstanden. Diesen Markt gibt es nicht erst, seit deutsche Steuerämter irrwitzige Summen für illegal beschaffte Daten-CDs bezahlen.

die Verantwortlichen beim Bund müssen realisieren, dass sie es mit einer internen Bedrohung tun haben, der nur sehr schwer beizukommen ist. Die Laissez-faire-Politik des Schweizer Nachrichtendienstes im Bereich der Informatik hilft da sicher nicht. Die Verantwortung dafür tragen der Chef des Nachrichtendienstes, Markus Seiler, und sein Vorgesetzter, Bundesrat Ueli Maurer.

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