Der Kommentar: Bundesanwalt Michael Lauber ist der erste Bundesanwalt, der vom Parlament gewählt wurde. Seine Vorgängerinnen und Vorgänger wurden «nur» vom Bundesrat ernannt, waren ihm administrativ unterstellt und Rechenschaft schuldig. Lauber ist so unabhängig und mächtig wie kein anderer Bundesanwalt vor ihm. Er hat zwar eine unabhängige Fach-Aufsichtsbehörde über sich, muss sich aber vom Bundesrat nicht dreinreden lassen. Das wurde im Interesse der Gewaltentrennung ganz bewusst so entschieden.

Die Wahl durch das Parlament beinhaltet auch eine Gefahr, die unabhängig von der Person von Michael Lauber besteht. Ein Bundesanwalt kann versucht sein, sich mit Parlamentariern und deren Umfeld gutzustellen. Oder jedenfalls nicht auf Konfrontation zu gehen, um die Wiederwahl nicht zu gefährden. Aber ein Bundesanwalt ist nicht in erster Linie dazu da, um beliebt zu sein und wiedergewählt zu werden. Er ist dazu da, Recht durchzusetzen. Um das zu tun, muss er geachtet und respektiert werden, auch mal gefürchtet.

Noch mehr als seine Vorgänger muss Lauber wegen seiner Machtstellung auch darauf achten, dass er sich nicht von Interessenvertretern beeinflussen oder vereinnahmen lässt. Er muss noch mehr als sie allein schon den Anschein vermeiden, dass er befangen sein könnte. Brandgefährlich sind anscheinend formlose «Apéros» oder «Mittagessen» mit weltweit bekannten Lobbyisten, die mit allen Wassern gewaschen sind. Erfahrene Strafverfolger erschaudern, wenn sie das hören. Was auch immer bei solchen Treffen besprochen wurde: Allein schon ihre Bestätigung schadet der Glaubwürdigkeit der Schweizer Strafverfolgung.

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