Der Kommentar: Rock ’n’ Roll ist aus einer Rebellion geboren. Pop- und Rockmusik hat sich jahrzehntelang als die Musik des Anti-Establishments definiert, hat aus dieser aufmüpfigen, subversiven Rolle die Kraft für die permanente Erneuerung, Kreativität und Innovation geschöpft. Doch das ist lange her. Dieser subversive Geist ist längst verloren gegangen.

Der Saxofon spielende Bill Clinton war der erste Präsident, der die Popkultur systematisch für seine Zwecke zu nutzen wusste. Der scheidende Präsident setzte noch einen drauf. Die Liste jener Künstler, die zu Ehren von Obama und seiner Politik spielten, umfasst alles, was im amerikanischen Showbiz Rang und Namen hat. Dabei liessen sich nicht nur arrivierte Künstler einspannen, sondern auch Hip-Hop-Cracks, die sich noch bis vor kurzem als Repräsentanten einer amerikanischen Gegenkultur verstanden. Selbst die bösesten Rapper sind unter dem ersten afroamerikanischen Präsidenten handzahm geworden. Wenn der Präsident ruft, kommen alle. Pop ist zur Musik der Macht und der Mächtigen geworden. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Pop- und Rockmusik seit Jahren an Ort tritt und sich nur noch an der Vergangenheit orientiert.

Und jetzt? Vielleicht setzt der Wahlsieg von Donald Trump eine schlummernde Energie frei. Vielleicht erinnert sich die saturierte Pop-Prominenz an die einstige subversive Kraft zur Erneuerung, Innovation und Rebellion. Vielleicht erleben wir den Beginn einer neuen Gegenkultur, geboren am 8. November 2016.

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