Daniel Vasella, der bald 60 wird, könnte in die Geschichte eingehen als einer der erfolgreichsten und wichtigsten Wirtschaftsführer, welche die Schweiz je hervorgebracht hat. Stattdessen wird man ihn in Erinnerung behalten als einen der skrupellosesten Abzocker.

Die Millionenbezüge als CEO und Präsident in all den Jahren hätte man ihm, mit etwas zeitlicher Distanz, eines Tages vielleicht verziehen. Was am Freitag aber publik wurde – ein 72-Millionen-Franken-Deal fürs Nichtstun: Das stellt ihn in eine Image-Galerie mit Namen wie Percy Barnevik (ABB), Mario Corti (Swissair) und Marcel Ospel (UBS). Und das, obwohl Vasella im Gegensatz zu Barnevik, Corti und Ospel unternehmerisch nicht versagt, sondern geglänzt hat. Es ist eine selbst verschuldete Tragik, dass Vasella nicht geachtet, sondern geächtet wird.

Schmerzen muss Vasella, dass ihn jetzt selbst das Wirtschaftsestablishment ausstösst. Der Präsident der Wirtschaftspartei FDP, Philipp Müller, wirft Vasella vor, die «liberale Schweiz aufs Schafott zu führen». Gibt es einen schwerwiegenderen Vorwurf für einen wie Vasella? Beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse gibt man ihm bereits präventiv die Schuld am absehbaren Ja zur Abzocker-Initiative.

Der Pharma-Papst hat im Gegensatz zum Kirchen-Papst beim Rücktritt alles falsch gemacht. Am TV führte er gar noch das Volk in die Irre, als er bei der Bekanntgabe des Rücktritts im Januar abstritt, danach Millionen zu erhalten. Doch im Zeitalter der Transparenz fliegt alles auf. Auch ein 72-Millionen-Deal.

Wie kann ein so kluger Mann wie Doktor Daniel Vasella so naiv sein zu glauben, die Wahrheit komme nicht ans Licht? Und vor allem: Warum liess sich dieser brillante Kopf in all den Jahren so gewaltige Lohnsummen ausbezahlen, die seine Reputation beschädigen mussten? Wäre er heute nicht glücklicher, jedes Jahr nur 2 statt 20 Millionen genommen zu haben – und dafür ein geachteter Mann zu sein?

Sein Gewissen hat sich doch noch gemeldet: Die 72 Millionen will Vasella spenden. Das wird an seinem Image wenig ändern, doch das von ihm so begehrte Geld ist weg. Das hat dürrenmattsche Dimension: Die Geschichte ist für Vasella erst jetzt zu Ende, wo sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat.

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