«Game of Fifa»

Die Nachricht: Die Fifa-Spitze um Sepp Blatter soll sich in fünf Jahren 80 Millionen Dollar zugeschoben haben. Die Enthüllung kommt von der Fifa selbst.

Der Kommentar: So sehr sie es versuchen: Der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino kann ihre Emotionen nicht so wecken wie sein Vorgänger. Deutsche Medien kritisierten diese Woche Sepp Blatter für die neusten Millionenzahlungen, so innig, so leidenschaftlich, wie sie es bei Infantino nie ganz hinbekommen haben. Sie wollen Infantino ja kritisieren, für überzogene Lohnforderungen, gelöschte Protokolle, heikle E-Mails. Die Empörung ist da – zu Recht. Aber die Hassliebe fehlt. Die entfacht nur Blatter. Nur: Sind tatsächlich die 80 Millionen das Problem? Ein unmoralischer Bezug ist kein illegaler Bezug. Egal, was die Ethikkommission oder die Gerichte entscheiden, die Fifa ist vor allem eines: scheinheilig. «Nimm nur an, was du verdient hast», sagte Blatter immer, oder: «Wir haben ein grosses Kontrollsystem. Niemand kann Geld einfach wegnehmen.»

An der Spitze der Fifa sitzen schon lange Männer mit Macht, Geld und Einfluss. Und sie wollen vor allem: mehr Macht, mehr Geld, mehr Einfluss. Dabei reden die Spitzenfunktionäre von Menschenrechten, Gleichberechtigung oder fabulieren von Friedensnobelpreisen. Schluss damit. Kein Fan auf der Welt liebt den Fussball wegen der Fifa. Er liebt ihn trotz der Fifa. Die Ereignisse der letzten Wochen gleichen mehr der Intrigen-Serie «Game of Thrones» als jenen eines Weltverbandes. Blatters Anwalt nennt die Zahlungen im «Einklang mit jenen von Präsidenten grosser Sportligen». Sie sind wohl eher im Einklang mit den grossen Banken- und Pharma-CEOs. Die Fifa sollte aufhören, sich als Weltverbesserin aufzuspielen. Sie ist es nicht. Sie ist eine Gelddruckmaschine. Dass der amtierende Präsident ein Gehalt von 2 Millionen als «Beleidigung» empfindet, sagt alles. Macht, Geld und Einfluss, das ist das «Game of Fifa».

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