Der Kommentar: Nein, die St. Galler Staatsanwaltschaft führe kein Verfahren gegen YB-Fans, sagte deren Sprecher am 24. Januar 2014, von der «Schweiz am Sonntag» mit entsprechenden Recherchen konfrontiert. Selbst auf den Hinweis, die Kapo bestätige, das Material für die Verfahren der Staatsanwaltschaft übergeben zu haben, spielte der Sprecher den Unwissenden. Erst Staatsanwalt Thomas Hansjakob selbst bestätigte sie. Das sei eine «Notlüge», eine «taktische Lüge» gewesen, sagt der Sprecher heute. Man habe die Verhaftungen nicht gefährden wollen.

Mit Verlaub: Lügt eine offizielle Stelle, in diesem Fall immerhin eine Staatsanwaltschaft, eine Zeitung derart unverfroren an, hinterlässt das einen schalen Nachgeschmack. Umso mehr, wenn sich dann zeigt, dass dieselbe Staatsanwaltschaft einen Unschuldigen zu einem der zwei Hauptverdächtigen macht. Und dazu noch vier Personen vorlädt, die gar nicht erst an besagtem Spiel waren.

Wie ernsthaft sucht diese Staatsanwaltschaft die Wahrheit? Nach bestem Wissen und Gewissen? Unvoreingenommen und ohne Vorverurteilung? So, wie man es von einer Justizbehörde erwarten darf?

Keine Frage: Wer als Fussballfan an Ausschreitungen, Bedrohungen, Landfriedensbrüchen beteiligt ist und gegen das Vermummungsverbot verstösst, soll bestraft werden. Fussballfans sind aber kein Freiwild. Das Hooligan-Konkordat ist kein Freipass dafür, Kernprinzipien des Rechtsstaates wie Verhältnismässigkeit und Unschuldsvermutung ausser Kraft zu setzen. Eine Staatsanwaltschaft darf auch nicht leichtfertig Kollateralschäden in Kauf nehmen. Die Sorgfaltspflicht gilt auch für Fussball-Fans.

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