Der Kommentar:Ich bin mit Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Der Entscheid war medizinisch notwendig. Kaiserschnitt-Gegner reden gerne vom «Fehlen des Geburtsstresses». Das hat sich – zumindest subjektiv – nicht negativ auf mein Leben ausgewirkt. Heute bin ich selber in Erwartung und eine natürliche Geburt ist für mich selbstverständlich. Ein Wunsch-Kaiserschnitt kommt für mich nie infrage. Warum auch? Jahrhundertelang haben unsere Mütter natürlich geboren. Selbst für meinen Gynäkologen, der notabene auch in Privatspitälern entbindet, ist eine natürliche Geburt selbstverständlich. Denn darum geht es doch bei der natürlichen Geburt: um etwas Selbstverständliches.

Keine Frage: Es gibt zwingend nötige Kaiserschnitt-Geburten. Doch viele Frauen möchten sich nicht in das Abenteuer Geburt stürzen. Manche, weil sie sich vor den Schmerzen fürchten, andere, weil sie die Kontrolle abgeben müssen. Dritte wiederum, weil ein Kaiserschnitt in ihrem Kreis zum Lifestyle gehört. Das ist bedauerlich. Schade, fehlt es vielen Frauen an Urvertrauen und an einem zuversichtlichen Umfeld, das sie in ihrem Wunsch nach einer natürlichen Entbindung bestärkt. Es kann doch nicht sein, dass wir Frauen uns blindlings – von Anfang an – in fremde Hände begeben. Wir sollten unserem Körper mehr zutrauen, als nur dazuliegen und ihn aufschneiden zu lassen. Natürlich gibt es Frauen, die erleben eine Spontangeburt als traumatisch, aber auch bei Kaiserschnitt-Eingriffen können Komplikationen auftreten.

Jede Frau soll selber entscheiden dürfen, was für sie das Richtige ist. Es darf in erster Linie nicht allein um Kosten gehen. Da gäbe es andere Beispiele im Gesundheitswesen wie Übergewicht oder Rauchen und die Folgen, für die die Krankenkassen mindestens ebenso viele Millionen bezahlen. Ein medizinisch unnötiger Kaiserschnitt ist aber eine fragwürdige gesellschaftliche Entwicklung. Der Kaiserschnitt ist zweifelsohne eine medizinische Errungenschaft. Ärzte können Kindern (und Müttern) gar das Leben damit retten. Er muss aber das bleiben, für das er ursprünglich vorgesehen war: eine medizinische Notwendigkeit.