Doch Kampfhandlungen, Gefechte, geschweige denn verwundete Soldaten sind nicht zu sehen. Wir in Europa können nur erahnen, was in den Konfliktgebieten im Norden Malis geschieht. Dieses Fehlen an Bildinformationen ist irritierend. Seit dem ersten Golfkrieg 1991 werden wir überflutet von Bildern. Fest in unser Gedächtnis eingebrannt haben sich die gestochen scharfen Bilder, die Lenkwaffen auf ihrer tödlichen Flugbahn aufgenommen haben. Oder Drohnen, die gezielte Tötungen von Al-Kaida-Kämpfern filmten.

Frankreich verweigert sich dieser Bilderflut. Journalisten werden auf Distanz gehalten und müssen sich mindestens 100 Kilometer hinter der Front aufhalten und durften sich nur in Konvois bewegen. Aufnahmen von Kampfhandlungen sind explizit verboten. Die grossen Medien arrangieren sich bereits mit der verhängten Informationsblockade. Eine Journalistin des grossen privaten TV-Senders TF1 sagte, dass es besser sei, als «eingebettete» Reporterin der Armee unterwegs zu sein, als gar keine Bilder nach Paris schicken zu können.

Der Hang zur staatlichen Informationskontrolle sei in Frankreich eben wesentlich ausgeprägter als in den USA, sagen Kritiker. Französische Medien berichten bereits von einem Krieg unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das erinnert stark an den Algerienkrieg vor über 50 Jahren. Schon damals wurden Journalisten und Fotografen von den Kriegsschauplätzen ferngehalten. Er gilt heute als ein Krieg ohne Bilder, als «Guerre sans images». So verständlich die Unterdrückung der Bilder auch sein mag angesichts der Millionen Muslime, die in Frankreich leben – so wenig kann die Regierung verhindern, dass schon bald die ersten blutigen Bilder auftauchen. Übermittelt vielleicht nicht von TF1, aber dann von Youtube oder Twitter.

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