Unsere Konten aber sind wasserdicht: Das verspricht uns Finanzminister Merz immer wieder, und auch Bankier-Präsident Pierre Mirabaud betont in unserem Interview, «gemäss Schweizer Recht» bleibe es beim Unterschied zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung – dem traditionellen Kern des Bankgeheimnisses.

Die Frage ist: Wie lange noch? Ausgerechnet ein freisinniger Politiker – der Solothurner Finanzdirektor Christian Wanner – sagte in der Sendung«10 vor 10», der Unterschied zwischen Betrug und Hinterziehung sei «fast nicht mehr zu vermitteln» und werde «früher oder später» fallen. Ein zweiter Finanzdirektor, der Berner BDP-Regierungsrat Urs Gasche, äussert sich nun im «Sonntag» ganz ähnlich.

Dass bürgerliche Politiker das Bankgeheimnis im Inland offen infrage stellen, wäre vor kurzem noch undenkbar gewesen. Privatbankier Hans J. Bär wurde ausgegrenzt und für halbsenil erklärt, als er vor fünf Jahren sagte, er sei «zu dumm, um den Unterschied zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung zu verstehen». Seither zeigt er sichnicht mehr öffentlich.

Es ist Zeit, den Realitäten in die Augen zu sehen. Auch im Inland wird sich die Schlaumeierei Betrug/Hinterziehung nicht mehr lange halten lassen – obwohl uns der Bundesrat das Gegenteil weismachen will. Doch das tat er bis vor wenigen Monaten auch gegenüber den USA und Frankreich.

In den neuen Doppelbesteuerungsabkommen hat sich das nun mir nichts, dir nichts geändert. Das wird Folgen haben: Warum sollen ausländische Steuerbehörden gegenüber der Schweiz mehr Rechte haben als unsere eigenen Behörden?

Wer also ein Sparbüchlein hat, das er in der Steuererklärung bisher «versehentlich» nicht angegeben hat, sollte sich gut überlegen, ob er es beim nächsten Mal wieder «vergessen» will.