Nun regt sich Widerstand gegen die Bussenwut der Amerikaner. Walter Kielholz, bis im Mai 2014 im Verwaltungsrat der Credit Suisse, ist der Kragen geplatzt. In der «Financial Times» attackiert er die US-Justiz: «Die Bussen lassen sich in einem ordentlichen Gerichtsverfahren nicht anfechten», sagt Kielholz. «Aus rechtsstaatlicher Perspektive ist das ein Problem.»

Er mag recht haben. Doch es ändert nichts. Kielholz weiss nur zu gut, dass die Amerikaner am längeren Hebel sitzen. Solange der Dollar die wichtigste Währung der Welt bleibt, so lange werden die Amerikaner auf ihr Recht pochen. Sie wissen: Keine Bank kann es sich leisten, vom Dollar-Clearing ausgeschlossen zu werden. Es reicht eine Klagedrohung, um eine Bank zur Zahlung einer Milliardenbusse zu zwingen.

Die Bussen mögen überrissen sein, doch aus heiterem Himmel fallen sie nicht. Wer die seitenlangen «Statements of Facts» der amerikanischen Justiz liest, der kommt zum Schluss, dass einiges schlieflief auf dem Finanzplatz. Detailreich wird ausgeführt, wie Schweizer Banken aktiv und systematisch US-Steuerflüchtlingen geholfen haben, Steuern zu hinterziehen. Im Fall der Genfer BNP-Paribas-Niederlassung geht es im Kern sogar um Terrorfinanzierung: Die Bank hat ein ausgeklügeltes System zur Umgehung von US-Embargobestimmungen unterhalten und Finanzierungsgeschäfte mit dem sudanesischen Diktator Omar al-Bashir verschleiert.

All dies geschah vor den blinden Augen der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht. Sie will der bissige Wachhund der Schweizer Geldbranche sein und mit ihren weitreichenden Kompetenzen für einen sauberen Finanzplatz sorgen. Doch in Wahrheit ist sie nur ein kläffendes Schosshündchen. Die Rekordsumme von 11,7 Milliarden Dollar geht auch auf ihr Konto.

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