Der Kommentar: Es braucht eine neue Untersuchung. Was bisher über die Gesetzesverletzungen von UBS-Beratern in den USA bekannt wurde, nährt den Verdacht, dass dies mit Zustimmung der obersten Chefs geschah. Und das Vertrauen in die Personen fehlt, die behaupten, am Verdacht sei nichts dran. Das sind einerseits die heutigen Chefs der UBS, die selber kein Interesse daran haben, die Schuldigen zu finden, weil es das Geschäft behindert. Andererseits ist das die Finanzaufsicht Finma mit ihrem Präsidenten, der anfangs der fraglichen Zeitspanne selber in der UBS-Geschäftsleitung sass.

Die UBS-Spitze verweist auf eine einjährige Untersuchung der amerikanischen Anwaltskanzlei Wachtell Lipton Rosen & Katz. Diese kassierte 60 Millionen von der UBS, liess ihre Anwälte, darunter vormalige Staatsanwälte, eine halbe Million E-Mails auswerten und 10 Terabytes Daten bei ihrem Auftraggeber sammeln – das Volumen der US-Kongress-Bibliothek, wie die UBS stolz erklärt: Angeblich sei es eine der grössten Untersuchungen in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Dennoch hält ihn die UBS unter Verschluss, aus Angst, US-Anwälten neuen Anlass zum Klagen zu geben. Darüber wüsste man gerne mehr.

Nur die Finma sah die Studie. Sie fabrizierte einen Bericht daraus, in dem sie die UBS-Oberen freisprach. Doch nur eine Zusammenfassung wurde freigegeben. Im 161-seitigen Geheimbericht liest man sodann über Sitzungen des «Executive Board UBS Schweiz» im Januar und Mai 2002. Da sassen neben dem späteren UBS-CEO Marcel Rohner auch Eugen Haltiner. Darüber schweigt die Zusammenfassung, obwohl an diesen Sitzungen das Problem diskutiert wurde, dass die UBS-Obersten in den USA die Regeln verletzen («Sonntag» vom 18.4. 2010).

Von ihrem Durchgriffsrecht her ist die Finma eigentlich die richtige Instanz für eine neue Untersuchung. Doch solange Haltiner Chef der untersuchenden Experten ist, würden Zweifel bleiben. Diese müssen jetzt ein für alle Mal ausgeräumt werden. Ein In-Ausstand-Treten Haltiners reicht nicht. Haltiner müsste das einsehen und zurücktreten.