Der Kommentar: Man mag von Thorsten Fink halten, was man will. Man darf ihn im Affekt gar als «Charakterlump» bezeichnen für das, was er dem FC Basel angetan hat. «Ich habe für zwei weitere Jahre in Basel unterschrieben und möchte hierbleiben», sagte er im Mai in einem Interview mit dem «Sonntag».

Noch vor drei Wochen beantwortete Fink im «sport aktuell» die Frage, ob ihn die Bundesliga reize, so: «Kann ich mir im Moment gar nicht vorstellen. Ich konzentriere mich auf Basel.» Vier Tage vor seinem Abgang liess er verlauten, er bleibe bis Ende der Vorrunde und schaue dann weiter. Nun ist Fink weg. Er ist dem Reiz der Bundesliga erlegen. Er hat sein Wort gebrochen. Mehrmals.

Wer nun wutschnaubend Hasstiraden auf Fink abfeuert und das Fussball-Business als Ganzes verteufelt, der darf nicht vergessen: Auch in Basel würde man einen «Charakterlump», wie Fink da und dort abgestempelt wurde, mit Handkuss nehmen. Denn so würden die Luzerner Murat Yakin bezeichnen, sollte der in naher Zukunft seinen Vertrag auflösen und zum FCB wechseln. Weil Yakin im Gegensatz zu Fink kein Hehl daraus macht, dass er am Job beim Schweizer Meister Interesse hat, tun sie das zum Teil jetzt schon.

In Basel hält man mit Nachdruck fest, dass Finks ehemaliger Assistent Heiko Vogel sicher bis Ende Dezember im Amt bleibt und zu den Kandidaten für den Trainerposten 2012 zählt. Die Erfahrung zeigt: Das heisst nichts. In der Schweiz brechen über 50 Prozent der Ehepaare ihre langjährigen Verträge und Versprechen. Den grössten Wert hat heutzutage nicht das gesprochene und auch nicht das geschriebene, sondern das gelegte Wort. Doch selbst beim Scrabble bringt die «Worttreue» im Normalfall nur zwölf Punkte – sechs weniger als der «Wortbruch».

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