Fiktion und Realität sind in diesem Wahlkampf schwer auseinanderzuhalten. «House of Cards» wirkt realistischer als manche Szene der TV-Debatte zwischen Clinton und Trump. Und was der Republikaner über Frauen absonderte, ginge wohl jedem Filmregisseur zu weit. Denn Fiktion muss, frei nach Mark Twain, im Gegensatz zur Realität glaubhaft sein.

Ganz real sind die Lügen, welche in diesem Wahlkampf verbreitet werden. Wer merkts? Wen störts? Bereits ist vom «postfaktischen Zeitalter» die Rede – und Schweizer Politiker befürchten, dieses werde, wie so manche Entwicklung aus den USA, mit der üblichen Verzögerung auch hierzulande anbrechen.

Um die Folgen der aggressiven Polit-Unkultur zu spüren, reicht schon ein kurzer USA-Aufenthalt. Als wir mit unserer Redaktion Ende Juli in San Francisco waren, besuchte ein Kollege eine Versammlung homosexueller Republikaner. Sie treffen sich einmal im Monat klandestin, weil sie sich in der demokratischen Hochburg San Francisco wie Aussätzige fühlen – nicht wegen ihrer sexuellen, sondern wegen ihrer politischen Orientierung. Ähnlich dürfte es Demokraten in republikanischen Hochburgen gehen. Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft ist mit Händen zu greifen: Es herrscht ein Klima der Verachtung, ja des Hasses.

Amerika ist ein grossartiges Land. Und Clinton und Trump sollen das Beste sein, was es an politischem Personal zu bieten hat? Weder sie und schon gar nicht er wird fähig sein, die Gesellschaft zu einen. Wie konnte es nur so weit kommen?

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