Die grossen Sprüche des ehemaligen Stürmerstars entbehren nicht einer gewissen Komik. Romario war in der Schweiz in einen wüsten Schwarzgeld-Skandal verwickelt. Millionen hatte er bei der Dresdner Bank in Zürich angelegt. Sein externer Vermögensberater hob die Millionen in mehreren Tranchen ab und machte sich aus dem Staub. Der um sein Geld geprellte Romario kreuzte mit seiner Frau bei der Bank an der Bellerivestrasse auf und verlange ultimativ das Geld zurück – Geld freilich, das er am brasilianischen Fiskus vorbeischleuste.

Nur ein paar Jahre danach regt er sich über die Machenschaften der Fifa auf. Das ist billig, passt aber ins Bild der Ballspielbranche. Denn Romario ist nur einer von vielen Heuchlern, die diese Woche ihren grossen Auftritt hatten. Die Heuchelei ist nicht zu überbieten und noch viel weniger zu ertragen.
So nervt es, wenn Michel Platini, Chef der Uefa, Sepp Blatter zum Rücktritt auffordert und in den vergangenen Jahren alles nur Erdenkliche unternahm, griffige Verbandsreformen abzuwürgen, wie Lohntransparenz oder Amtszeitbeschränkung – die wohl wichtigsten Instrumente gegen Korruption überhaupt.
Es nervt, wenn Sponsoren jetzt den Moralfinger heben und unverhohlen mit Rückzug drohen, obschon auch sie im Fadenkreuz der US-Justiz stehen, wie in der 164-seitigen Klageschrift nachzulesen ist.

Und es nervt ebenso, wenn die «New York Times», das Flaggschiff der amerikanischen Publizistik, behauptet, aufgrund tagelanger Recherchen herausgefunden zu haben, dass die Zürcher Kantonspolizei um sechs Uhr früh im «Baur au Lac» einfahren werde -- obwohl sonnenklar ist, dass das Weltblatt einen eindeutigen Tipp aus dem Justizdepartement erhalten hat.

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