Die Nachricht: Heute um 20.30 Uhr wird der Final der Fussball-WM zwischen Holland und Spanien angepfiffen. Das vierwöchige Rendez-vous der weltbesten Fussballer in Südafrika hat nur phasenweise begeistert.

Der Kommentar: 44 Jahre wurden vertrödelt.

44 Jahre haben sich die mächtigen Fifa-Bosse überheblich zurückgelehnt, im Wissen, dass der Fussball selbst in seiner Urform stets eine Cash-cow ohne Absatzstau bleiben wird. 44 Jahre nach dem Wembley-Tor verwehrt man den bedauernswerten Schiedsrichtern noch immer technische Hilfsmittel.

44 Jahre nach Wembley müssen wir uns immer noch über dilettantische Fehler der Unparteiischen aufregen. Das ist unzeitgemäss.

Weit skandalöser als gewisse Schiedsrichterleistungen an dieser WM waren indes die Darbietungen einiger Multi-Millionäre in kurzen Hosen. Rund 190000 Euro soll beispielsweise der Engländer Frank Lampard verdienen. Pro Woche, wohl gemerkt. Steven Gerrard, John Terry und Wayne Rooney spielen etwa in derselben Gehaltsklasse. Proportional zum Lohn sind auch ihre Egos gewachsen. Daran ist England zerbrochen. Keiner wollte für den andern, jeder nur für sich arbeiten. Auch die Franzosen hatten eine Mannschaft, die gut genug für den Titel gewesen wäre. Doch ein Trainer als Ich-AG funktioniert nur, wenn er wie Diego Maradona tickt und gemeinsam mit den Spielern ins Boot der Emotionen steigt.

Diese WM war ärmer als die letzte. Und die letzte war wiederum ärmer als die vorletzte. Blödsinn! Mit Ausnahme der überforderten Nordkoreaner hat sich keine Fehlbesetzung ins Teilnehmerfeld gemogelt. Technisch, taktisch und athletisch rücken die Teilnehmer immer näher zusammen. Natürlich fallen deswegen weniger Tore als noch vor 44 Jahren. Dafür liegt auch mal eine Überraschung drin. Wie der 3,5-Millionen-Staat Uruguay, für den erst der Halbfinal Endstation bedeutete.

Wir Schweizer bemühen uns stets, ein frühes Scheitern mit fehlenden Ressourcen zu begründen. Doch wer sich klein macht, hat an einer WM keine Chance. Das haben die Deutschen gegen Spanien und wir gegen Chile erfahren. Trotzdem: Die Deutschen sind die grossen Gewinner, auch wenn sie im Halbfinal verloren haben. So konstruktiv, dynamisch und offensiv wie das Team von Joachim Löw wünschen wir uns auch mal die Schweizer. Hoffentlich müssen wir darauf nicht 44 Jahre warten.