Dass Roths Prophezeiung nicht eintraf, darüber können wir uns freuen. Über eine andere Fehlprognose jedoch nicht. Sie stammt von einer Reihe von Bundesräten und betrifft das Bankgeheimnis. Die Landesregierung erklärte es bis 2009 für «nicht verhandelbar». Pascal Couchepin sagte als Wirtschaftsminister 1999: «Wir zünden doch unser eigenes Haus nicht an.» Berühmt sind die Worte des früheren Finanzministers Hans-Rudolf Merz, welcher 2008 der EU den Tarif durchgab: «An diesem Bankgeheimnis werdet ihr euch noch die Zähne ausbeissen.»

Keine fünf Jahre später wirkt das wie ein Witz. Von einem «Todeskampf» des Bankgeheimnisses sprach kürzlich Micheline Calmy-Rey in unserem Interview – die Sozialdemokratin aus der Finanzmetropole Genf, die es als Bundesrätin selbst konsequent verteidigt hatte.

Die neuste Hiobsbotschaft erreichte unsere Redaktion diese Woche von der Verhandlungsfront in den USA, wo 13 Schweizer Banken im Visier der US-Justizbehörden stehen. Was Staatssekretär Michael Ambühl, einst hochgelobter Star-Diplomat, «herausgeholt» hat, kommt einer Kapitulation gleich.

Denn es sollen nicht nur Milliarden gezahlt, sondern auch gigantische Datenberge über den Atlantik geschickt werden. Und statt 13 Banken werden nun 80 bis 90 Banken mit reingezogen – und wohl Daten liefern. Man wird sich darüber empören, mit gutem Grund, aber ohne etwas daran zu ändern – diese Vorhersage sei gewagt. Und wenn die USA das Bankgeheimnis besiegt haben, wird das als Nächstes auch der EU gelingen.

Dass sich dies als Fehlprognose entpuppt, ist leider eher unwahrscheinlich.

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