Der Kommentar: Es ist ein Miraculum der neueren Zeitgeschichte, dass ein SVP-Hardliner und eine grüne Fundamentalistin es schaffen, im stillen Kämmerlein einen Zweitwohnungskompromiss auszuhandeln, dem schliesslich alle folgen. Der unselige Streit um Bauen oder Nichtbauen im Berggebiet dürfte damit bald beendet sein. Das Hickhack der letzten Monate mündet in drei Erkenntnisse.

Erstens: Wenn die Politik eine schlechte Entwicklung zu lange laufen lässt, drohen Haurucklösungen. Das Zweitwohnungsproblem wurde in einigen Kantonen zu wenig ernst genommen (Graubünden) und in anderen komplett negiert (Wallis). Die Verschandelung von Ortsbildern war offensichtlich, die Gefahr einer auch für den Tourismus kontraproduktiven Entwicklung lag auf der Hand. Zweitens: Eine Initiative, die mit ein paar Sätzen in der Verfassung eine komplexe Materie regeln soll, ist meist zum Scheitern verurteilt. Das Parlament ist dann versucht, den Initiativtext zu umgehen oder besonders kreativ zu interpretieren. Drittens: Diese Abschwächungsmanöver führen zu einem demokratischen Malaise, weil sich Initianten und Stimmbürger verschaukelt fühlen. Referendumsdrohungen werden laut.

Am Schluss hat niemand gewonnen, und die Stammtische sehen das Vorurteil von der Politik als grosser Mischler- und Pokerrunde bestätigt. Deshalb ist es einigermassen sensationell, dass im kompromisslos gewordenen Bundesbern sich die alten Tugenden regen und Freund und Feind zu einem Waffenstillstand finden. Das Zweitwohnungsgesetz in der jetzigen Form ist keine Meisterleistung und keineswegs frei von Widersprüchen, aber es ist vertretbar und vermeidet demokratiepolitische Wahnsinnstaten wie eine dringliche Inkraftsetzung. Das sollte nun auch die CVP merken, die in letzter Zeit etwas schwer von Begriff scheint.

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