Der Kommentar: Wie verrückt entrückt die Welt sich dreht, liess sich diese Woche an der Bundesanwaltschaft ablesen. Gestern Samstag macht die NZZ publik, dass die Bundesanwaltschaft genügend Verdachtsmomente für ein Strafverfahren gegen die FDP-Nationalräte Christa Markwalder und Walter Müller erkennt und deshalb die Aufhebung ihrer Immunität beantragt hat. Was im Fall von Müller nachvollziehbar ist – er reiste von Kasachstan bezahlt nach Kasachstan und sieht sich dem Vorwurf der «Vorteilsannahme im Amt» ausgesetzt –, scheint im Fall Markwalder eher bizarr: Sie hat harmlose Antworten des Bundesrats auf formulierte Fragen aus Kasachstan einer windigen Lobbyistin weitergegeben, damit ihre Naivität bewiesen und das Kommissionsgeheimnis verletzt, aber sich kaum der Vorteilsannahme und sicher nicht der Spionage schuldig gemacht. Für das angestrebte Verfahren zahlt sie einen hohen Preis: Selbst wenn die Immunitätskommission ihre Immunität nicht aufhebt, kann sie jetzt ihr Nationalratspräsidium vergessen.

Was aber tut die Bundesanwaltschaft, nachdem der österreichische Parlamentarier Peter Pilz, der nachweislich einen ausgezeichneten Ruf in der Aufdeckung von Skandalen geniesst, am Mittwoch in Bern Dokumente vorgelegt hatte, die schwarz auf weiss Spionage des deutschen BND in Swisscom-Leitungen belegen? Nichts! Es fehle der «begründete Anfangsverdacht» für ein Ermittlungsverfahren.

«Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen», sagt der Volksmund. Markwalder ist in diesem Fall die Kleine, der BND und die NSA sind die Grossen.

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