Der Kommentar: Die Nationalbank gehört dem Schweizervolk, insofern ist jeder Bürger indirekt an US-Konzernen wie Apple, Google und Exxon Mobil beteiligt. Denn deren Aktien liegen im Portfolio unserer Währungshüter. Dass Notenbanken Aktien besitzen, ist ungewöhnlich – in den allermeisten Ländern, darunter auch den kapitalistischen USA, dürfen sie sich nicht an Unternehmen beteiligen. Im Sinne der Diversifikation ist es aber richtig, dass die Schweizer Nationalbank ihre Risiken streut und auch in diese Anlagekategorie investiert, zumal ihre Bilanzsumme im Abwehrkampf gegen den starken Franken explodiert ist.

Doch eine Institution wie die Nationalbank sollte sich strenge ethische Richtlinien auferlegen. Ins Portfolio gehört nicht einfach das, was rentiert. Die Währungshüter verwalten letztlich Volksvermögen. Und dass damit auch Aktien von fragwürdigen US-Rüstungskonzernen oder Goldminenfirmen gekauft werden, dürfte kaum im Sinne der Schweizerinnen und Schweizer sein. Unternehmen, denen vorgeworfen wird, Streumunition zu produzieren, müssen für die Nationalbank tabu sein. Sie hat es schlicht nicht nötig, ihre Performance mit Titeln aufzubessern, an denen womöglich Blut klebt. Nicht umsonst verzichtet eine andere Institution, die Volksvermögen verwaltet, auf solche Investments: der AHV-Fonds.

Die SNB verteidigt die umstrittenen Anlagen mit dem Hinweis, nicht alle Ethik-Experten kämen bei den fraglichen Aktien zum selben Schluss. Das ist kein Argument. Bestehen nur schon leichte Zweifel an der Integrität eines Unternehmens, sollte für die Notenbanker gelten: Finger weg von diesen Aktien.

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