Der Kommentar: «Fake News» ist der Begriff der Stunde. Gezielt gestreute Falschmeldungen («Der Papst empfiehlt Donald Trump zur Wahl», «Udo Lindenberg ist gestorben») finden auf Facebook und Twitter rasende Verbreitung. US-Präsident Obama und die deutsche Kanzlerin Merkel warnten diese Woche vor «Fake News»: Sie seien eine Gefahr für die Meinungsbildung in der Demokratie.

Nun, schon zu Caesars und Ciceros Zeiten wurde in Wahlkämpfen mit Falschmeldungen operiert. Neu ist, dass diese von «sozialen Robotern» (Social Bots) automatisch fabriziert und über alle Kanäle verteilt werden. Das ist das Problem – und es muss angegangen werden. Google und Facebook haben erste Schritte unternommen und versuchen, industriell produzierte «Fake News» zu entlarven. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte aber zu Recht: «Die Wahrheit herauszufinden, ist kompliziert.» Wer spielt Schiedsrichter, wenn es darum geht, was wahr ist und was nicht? Und: Gibt es auch falsche Meinungen?

Erfundene Meldungen sind schlimm. Schlimmer aber wäre, wenn diese zu Zensur führen würden. Dass Angela Merkel die Social Media als «unkontrollierte Medien» kritisiert, macht hellhörig. Eine Kontrolle von Medien – welchen auch immer – wäre die wahre Bedrohung für die demokratische Meinungsbildung. Gefordert ist der Journalismus. Sein Auftrag sind Wahrheitssuche und Faktenüberprüfung. Die einseitige Berichterstattung der amerikanischen Medien im US-Wahlkampf (360 Zeitungen unterstützten Clinton, nur 11 waren für Trump) hat ihre Glaubwürdigkeit beschädigt. «Fake News» ist nur mit Fakten, nicht mit missionarischem Eifer beizukommen.

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