Neue Ideen für die TV- Unterhaltung tun not. Seit Jahren ist sie die Problemzone des Schweizer Fernsehens. Doch jede Veränderung, jeder Moderatorenwechsel wird hitzige Debatten auslösen, wie Monika Fasnachts Rauswurf beim «Donnschtig-Jass» diese Woche zeigte. Auch die eher unspektakuläre Konzeptänderung bei der Polit-Sendung «Arena» – mehr Diskussion und etwas weniger Konfrontation – löste ein gewaltiges Echo aus.

Die wichtigste Veränderung aber geht eher leise vonstatten, dabei ist sie für alle Schweizer Medien und damit auch für alle Medienkonsumenten fundamental: Die SRG baut ihr Internet-Portal massiv aus und plant nun die nächsten Schritte, wie Generaldirektor Roger de Weck und Superdirektor Rudolf Matter an einer Mitarbeiterveranstaltung erklärten. «Wir wollen künftig multimedial sehr viel stärker präsent sein im Internet», sagte Matter, und er formulierte eine klare «Leistungserwartung» an die SRG-Journalisten, die «mehr machen müssen» für Online.

Für die Konsumenten mag dieser Ausbau auf den ersten Blick erfreulich sein, politisch aber ist er hoch brisant, denn langfristig könnte er die Medienvielfalt in der Schweiz gefährden. Die SRG kann sich dank ihren Gebührengeldern (1,1 Milliarden Franken pro Jahr) ein tolles Online-Portal leisten. Private Medienhäuser hingegen müssen das Geld erst auf dem Markt verdienen; die meisten Internetportale schreiben rote Zahlen. Es ist ein Kampf mit ungleich langen Spiessen – eine «höchst fragwürdige Situation», wie Gerhard Schwarz, Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, kürzlich in der «az» sagte.

Das scheint Superdirektor Rudolf Matter wenig zu kümmern. Er betonte am Mitarbeiteranlass, die SRG habe im Gegensatz zu den privaten Medienhäusern bei den Redaktionen nicht sparen müssen. Die SRG habe die «bessere Ausgangslage» als die Verlage. Darum, fügt er süffisant hinzu, würden die Verleger eine «ziemlich starke Anti-SRG-Rhetorik» pflegen.

Was darf die SRG? Beim Radio und Fernsehen sind ihr gesetzlich klare Schranken gesetzt. Im Zukunftsmarkt Internet jedoch lässt man sie gewähren. Dass das Unternehmen diesen Freiraum ausnutzt, ist logisch. Deshalb braucht es auch und gerade hier Grenzen. Ein umfassendes Online-Angebot, finanziert mit Gebühren und womöglich bald noch mit Werbung, ist wettbewerbsverzerrend und droht die Privaten zu erdrücken.

Gut, haben wir jetzt eine starke SRG-Führung. Gut aber auch, haben wir eine neue Medienministerin. Während Moritz Leuenberger sich vor allem als Schutzpatron der SRG profilierte, sollte Doris Leuthard an alle Medien denken. Nur gleich lange Spiesse für alle ermöglichen langfristig eine Medienvielfalt. Faire Spielregeln aufzustellen, wird eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Departementschefin sein.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!