Der Kommentar: Das öffentliche Leben in der Schweiz gilt schon heute als überreglementiert. Nun wollen die Fahrlehrer noch einen draufsetzen. Sie verlangen, dass ein angehender Lenker erst nach 16 Stunden bei einem professionellen Fahrlehrer mit Laien üben darf. Schliesslich ist in Deutschland Fahrschule seit längerem Pflicht. Sogar Sonderfahrstunden sind obligatorisch, zum Beispiel das Fahren bei Nässe oder in der Nacht. So sollte es auch hier sein, finden Schweizer Fahrlehrer.

Der Verdacht liegt schnell auf der Hand: Die wollen einfach mehr verdienen. Als ob die Fahrstunden nicht schon teuer genug wären! Zwischen 80 und 120 Franken pro Stunde kostet das Erlernen vom Blinken und Bremsen. Braucht jemand 20 bis 30 Stunden bis zur Prüfung, kostet die Ausbildung schnell einmal 2000 Franken. Das kann sich nicht jeder leisten.

Möglicherweise würde ein Teilobligatorium mit einigen Pflichtstunden Sinn machen – wenn auch nicht gerade 16. Aber es geht ja nicht nur ums Finanzielle. Es geht um einen der letzten Flecken, in dem die Bürokratie noch nicht regiert. Ein Bereich, in dem wir keinen Stempel brauchen, keinen Antrag stellen und kein Formular ausfüllen müssen. Dass nun auch noch verboten werden soll, mit dem Vater nach Feierabend seitwärts einzuparkieren oder mit der älteren Schwester das Gangschalten zu üben, geht zu weit.

Klar: Sicherheit geht vor. Aber das Schweizer Modell hat sich bisher bewährt, eine Änderung drängt sich nicht auf. Das sehen sowohl das Bundesamt für Strassen und auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung so. Also lasst uns nicht den Rückwärtsgang einlegen.

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