«Verlagerungen» gibt es stattdessen bei den Gästen. Unsere Recherchen zeigen: Die Schweizer Destinationen werden vom deutschen Markt geradezu abgekoppelt. Deutschlands grösste Zeitung, «Bild», erwähnt in ihrem Winterreport Skigebiete aus aller Welt, übergeht aber die Schweiz. Die boomenden Fernbusse fahren fast überall hin, nur nicht ins Engadin, ins Wallis oder ins Berner Oberland. Die stolze Winternation Schweiz: Gäbe es nicht Lara Gut, würde sie in Deutschland in Vergessenheit geraten. Und selbst bei den Schweizern, der Stütze des Tourismus, bröckelt die Loyalität. Österreich legt bei den Eidgenossen zu, die Schweiz verliert.

Der ehemalige Bundesrat Adolf Ogi hat recht, wenn er sagt: «Hierzulande wurde der Ernst der Lage noch nicht erkannt.» Ein Grund liegt darin, dass – anders als in der Industrie – die Branche extrem kleinteilig organisiert ist und kleinräumig denkt. Zwar haben sich Skigebiete zusammengeschlossen, viele Regionen vermarkten sich besser als früher, aber der grosse Befreiungsschlag bleibt aus. Im Gegenteil: Quirligen Tourismusdirektoren, die unkonventionelle Wege gehen und Experimente wagen, werden Steine in den Weg gelegt, oder man jagt sie gar aus dem Amt.

«Einfach weiter so» funktioniert aber nicht. 1969 wurde James Bond auf dem Schilthorn gedreht, 2015 in Österreich. Am meisten geärgert hat das Adolf Ogi. Schweiz Tourismus sollte ihn als Berater holen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper