Der Kommentar: Die Schweiz hat 2005 mit dem Urteil der Asylrekurskommission die Türe für junge Männer aus Eritrea weit geöffnet. Wir haben die Dienstverweigerer gerufen – und es sind junge Menschen gekommen. Die jungen Männer aus Eritrea sind Teil der afrikaweiten Migration. Sie haben auf ihrer Reise durch Libyen und über das Mittelmeer Schlimmes erlebt – nicht Eritrea, sondern die Reise in das vermeintliche Paradies Europa ist die Hölle. Auch wenn sie irregulär hierhergekommen sind: Kein Mensch ist illegal.

Damit die fremdenfeindlichen Strömungen in der Schweiz nicht zunehmen und eine Willkommenskultur erhalten bleibt, muss rasch und mutig gehandelt werden. Ein nationaler Eritrea-Sonderstab soll die nächsten Schritte koordinieren. Viele Eritreer wollen nach «Germany» – warum muss die Grenzwache sie in der Schweiz festhalten? An die Jungen in Eritrea muss ein klares Zeichen geschickt werden, dass sich die Reise in die Schweiz nicht mehr lohnt – und dass es sich lohnt, nach Eritrea zurückzukehren.

Die neuen Eritrea-Migranten sollen in einem beschleunigten Verfahren von 14 Tagen «prima facie» (auf den ersten Blick) vorläufige Aufnahme erhalten. Nach drei Wochen sollen sie auf die Kantone verteilt werden und dort ohne bürokratische Hindernisse Arbeit suchen können.

Die längerfristige Integration junger Eritreer wird vielleicht zu 15 Prozent gelingen: Nur die gut gebildeten, hoch motivierten Eritreer werden es mit grosser Unterstützung an Integrationsmassnahmen schaffen. Etwa 85 Prozent werden auch längerfristig in der Sozialhilfe bleiben – das ist gegen die Würde eines Volkes, das ein hohes Arbeitsethos hat. Diesen jungen Menschen muss die Perspektive der Rückkehr nach Eritrea geöffnet werden.

Das Projekt soll heissen: temporäre Integration in Hinblick auf eine Rückkehr. Es soll ein Anreiz-System entwickelt werden mit dem Ziel, RückkehrBonus-Punkte zu sammeln («Rückkehr-Bonus-Sparbuch»). Die jungen Männer verzichten auf ein sinnloses Asylverfahren, sie arbeiten statt Sozialhilfe zu beziehen und erhalten einen Teil der Kostenersparnis gutgeschrieben. Die folgenden Kostenschätzungen stammen aus Medienberichten:
> Verzicht auf den Gratisanwalt: Fr. 1360.–
> Verzicht auf die Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens: Fr. 3000.–. Denn die Asyl-Verfahren sind teuer und unnötig, weil kein junger Eritreer im Land an Leib und Leben bedroht ist – sie zwingen die Eritreer zu lügen.
> Rasche Arbeitsintegration statt Sozialhilfe (Fr. 18 000.–/Jahr): Fr. 2000.–
> Verzicht auf aufwendige Integrationsmassnahmen (Fr. 24 000.–), dafür sinnvolle Massnahmen der Integration wie Englisch-Sprachkurse und Hilfe bei der Arbeitssuche: Fr. 3000.–
> Ziel des Rückkehr-Sparbuches: Fr. 15 000.– für den Neubeginn in Eritrea.

Dieses Sparbuch-Guthaben wird bei der Rückkehr nach Eritrea verwaltet durch die zukünftige Schweizer Botschaft in Asmara in Zusammenarbeit mit der Eritrean Development Bank. Diese gibt auf der Basis des Sparbuch-Guthabens Kredite für die Gründung von KMU und Start-ups. Das BonusAnreiz-System ist vorübergehend: Es gilt für die jungen Menschen, die bereits hier sind oder in den nächsten Monaten in die Schweiz kommen.

Eritrea hat in den letzten zehn Jahren über 100 000 Dienstpflichtige aus dem National-Dienst entlassen mit der Folge, dass viele aus mangelnder Perspektive nach Europa migriert sind. 2016 wird der 28. Jahrgang des National Service den 18-Monate-Dienst beendet haben und soll entlassen werden. Nach dieser Demobilisierung ist eine neue Welle von Migration zu erwarten, falls nicht bald neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die jungen Menschen geschaffen werden können. Dies kann Eritrea kurzfristig nur mit europäischer Hilfe schaffen. Die Schweiz wäre hervorragend aufgestellt, im Bereich der dualen Berufsbildung gute Projekte in Eritrea anzustossen. Die Forderung von FDP und CVP, Eritrea zum Schwerpunktland der Schweizer Entwicklungshilfe zu machen, dürfte in der Schweiz auf breiten Konsens stossen. Die UNO-Koordinatorin in Eritrea, Christine Umotoni, sagt: Jeder Dollar sei es wert, hier eingesetzt zu werden, weil es keine Korruption gebe und «die Menschen hier aus so wenig so viel Gutes machen».

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