Der Kommentar: Innerhalb von zwei Monaten sind in Italien 35 000 Flüchtlinge gelandet. Sie kommen übers offene Meer aus allen Krisengebieten dieser Welt: Syrien, Mali, Elfenbeinküste, Südsudan, Irak. Täglich spielen sich Dramen vor der italienischen Küste ab, am Montag sind 30 Bootsflüchtlinge erstickt. Mario Gattiker, Direktor des Bundesamtes für Migration, sagte dem «Tages-Anzeiger»: «So dramatisch, wie die Lage vor den Toren Europas zurzeit ist, war sie wohl seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr.»

Europa freilich hat andere Probleme. Zum Beispiel die Knacknuss, wer EU-Kommissions-Präsident werden darf. Oder ob der deutsche Mindestlohn von 8 Euro und 50 Cent auch für Zeitungsausträger gilt. Das sind die grossen Fragen dieses Sommers, derweil man das Flüchtlingsthema schon vor langer Zeit kommod geregelt hat: Dublin-Abkommen heisst diese Wunderordnung. Unter der Regierung Renzi kümmert sich Italien bewundernswert um die armen Seelen. Aber Italien kann nicht alle Flüchtlinge behalten, es wäre dringend auf die Solidarität der restlichen europäischen Vogel Sträusse angewiesen.

Selbstverständlich ist auch die Schweiz gefragt. Hierzulande erschöpft sich die Flüchtlingspolitik aber weitgehend in Protesten von Bevölkerung und Gemeinden gegen neue Asylzentren. Das Schema ist immer das gleiche: Der Kanton sucht eine Flüchtlingsunterkunft, Gemeindebehörden und Bevölkerung stellen sich quer nach dem Motto: schon recht, aber nicht bei uns. Dabei müssten wir auch an die Zukunft denken: Mit ein paar zusätzlich eingebürgerten Schwarzafrikanern würde es der Schweiz an einer der nächsten Fussball-Weltmeisterschaft vielleicht endlich mal bis in den Viertelfinal reichen.

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