Aber geht wirklich alles nach Plan oder ist es die Ruhe vor dem Sturm? Fortschritte sind erzielt worden in Spanien, Portugal und Griechenland. Die zu hohen Lohnkosten sind gefallen, allerdings verbunden mit hohen Arbeitslosenzahlen und weiter wachsenden Staatsschulden. Ein kleines Wunder geschieht in Italien. Die Lohnkosten steigen dort sogar. Eine handlungsunfähige Regierung scheint gut zu sein für das Land. Überraschungen könnten aus Frankreich kommen, wo eine nachtragende sozialistische Regierung der Wirtschaft eher schadet, als sie ankurbelt. Diese Ruhe hilft vor allem der deutschen Regierung, die mitten im Wahlkampf damit fleissig punktet.

Die wirtschaftliche Realität sieht leider nicht so rosig aus, wie es den Anschein macht. Die Problemländer haben andauernde politische Krisen und der demokratische Prozess steht unter Dauerstress. Es wird interessant werden nach den deutschen Wahlen, wenn man zur Wirklichkeit zurückkehrt.

Der EZB bleibt nichts anderes übrig, als die monetären Zügel weiter zu lockern, die Zinsen tief zu halten und den Euro abzuwerten, denn ein wirtschaftlicher Aufschwung ist weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil, auch Wachstumsländer wie China und Brasilien fangen an zu schwächeln. Zudem werden die Banken weiter gezwungen, zu schrumpfen, paradoxerweise aber auch aufgefordert, mehr Kredite zu geben. Die weltwirtschaftliche Situation scheint verwirrender denn je seit der Bankenkrise von 2008, als die Politik das Ruder übernahm. Wenn Sie meinen, das gehe uns nichts an, dann vergessen Sie bitte nicht, dass der Schweizer Franken durch den fixen Wechselkurs ein Euro geworden ist und unser Bankensystem vor der grössten Veränderung in seiner Geschichte steht.

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