Sturm.

Der Kommentar: Wegen der Euroschwäche lud der Bund diese Woche zu einem Treffen, das im Vorfeld zum Krisengipfel heraufstilisiert wurde. Herausgekommen ist dabei wenig. Arbeitgebervertreter und bürgerliche Politiker hatten den Nullentscheid vorweggenommen, indem sie das Problem herunterspielten. Sie behaupteten, alles sei gar nicht so schlimm, und die Schweiz könne gegen steigende Frankenkurse nichts machen. Stattdessen beschworen sie die angeblichen Chancen: Der starke Franken zwinge die Schweizer Wirtschaft zu einem «Fitnesstraining».

Jetzt zeigt sich, wie verharmlosend dieser Begriff ist. Denn was nach einem lockeren Sportprogramm tönt, gefährdet viele Exportfirmen existenziell. Ihre Margen sind regelrecht eingebrochen. Und ob ihre Zulieferer überhaupt noch einen Gewinn machen, ist fraglich. Vor zwei Wochen enthüllte «Der Sonntag», dass Schweizer Firmen begonnen haben, ihre inländischen Zulieferer in Euro zu bezahlen. Damit retten die Grossen auf Kosten der Kleinen ihren Gewinn.

Und nun zeigt sich: Auch die Arbeiter müssen Opfer bringen: Auf ihre Kosten erhöhen die Industriefirmen Dätwyler und Transfor die Arbeitszeit, um während der Euroschwäche über die Runde zu kommen.

Gewiss: Länger arbeiten, um Stellen zu retten, kann als äusserstes Mittel in Krisenzeiten durchaus Sinn machen. Aber zumindest im Fall Dätwyler ist dieser Schritt fragwürdig. Denn gleichzeitig verkündet die Firmenleitung, sie überlege sich, Arbeitsplätze aus der Schweiz ins billigere Ausland zu verlagern. Das widerspricht dem Sinn und Geist des Gesamtarbeitsvertrages. Dieser erlaubt zwar eine vorübergehende Erhöhung der Arbeitszeit – aber ausschliesslich zum Zweck, Stellen zu retten. Der Konzern selber sät nun Zweifel, ob es ihm damit wirklich Ernst ist.

Mehr Arbeit für gleich viel Geld – letztlich ist das eine kalte Lohnsenkung. Wenn das Schule machen sollte, ist das für die Arbeitnehmer einschneidend. Es widerspricht jedenfalls dem Beruhigungsgerede aus Bundesbern. Damit sollte nun endlich Schluss sein.

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