Schneider-Ammann, der die Gruppe bis zu seiner Wahl in die Regierung erfolgreich führte, hat den Tarif im Kampf gegen hohe Preise gleich selber durchgegeben: «Vielleicht muss man auch dort einmal ein Zeichen setzen und sagen: Wir lassen uns in diesem Land bezüglich der Importpreise von den internationalen Herstellern nicht alles bieten.» So sagte es der FDP-Bundesrat am Mittwoch nach dem Preisgipfel in Bern. Zu den von ihm genannten internationalen Herstellern gehört auch Caterpillar mit Produkten wie Baumaschinen oder Schuhen. Bis zu 192 Prozent teurer als in Deutschland sind die Caterpillar-Schuhe im Online-Shop der Avesco, einer Tochtergesellschaft der Ammann Group.

Das ist unverschämt. Die Avesco – seit 1931 Generalunternehmerin von Caterpillar in der Schweiz – reiht sich damit ein in eine Reihe von Firmen mit so klingenden Namen wie Beiersdorf, Mars, Nestlé oder Unilever. Sie alle profitieren von den Währungsgewinnen, geben sie aber kaum oder gar nicht weiter. Was kann Johann Schneider-Ammann dafür, dass die Firma in den Händen seiner Tochter eine Währungsgewinnerin ist? Wir nehmen den Wirtschaftsminister nicht in Sippenhaft, erlauben uns aber, die Diskussion darüber zu führen, wie glaubhaft seine Bemühungen für tiefere Preise sind, wenn sich die eigene Familie darum foutiert.

Das sind harte Worte. Wir schauen aber auch genau hin, was Schneider-Ammann effektiv gegen die Euro-Abzocker unternimmt – und das ist eine Menge. Der Wechsel vom Unternehmer zum Bundesrat fiel dem behäbigen Berner schwer. «Aus dem Hoffnungsträger, der als patronaler Vermittler den Bundesrat wieder einen sollte, wurde der Abwahlkandidat Nummer eins», schreiben meine Bundeshaus-Kollegen Florence Vuichard und Othmar von Matt in ihrem Porträt. Unterdessen sei Schneider-Ammann jedoch im Bundesrat angekommen.

Mit Kritik umgehen muss auch Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand. Am Donnerstag gab es für ihn unerwartete Rückendeckung von der «Weltwoche». Aus «Wer stoppt Hildebrand?» im Januar wurde plötzlich ein «Lob der Nationalbank». Die publizistische Linie scheint in Herrliberg vorgegeben worden zu sein. Von dort aus unterstützte Christoph Blocher, der noch kürzlich den Kopf Hildebrands forderte, den Kurs der Nationalbank: «Sie hat, wie in einem Krieg, alle Mittel einzusetzen.»

Der Wind hat gedreht. Die Börse scheint die Botschaft einer geeinten Wirtschafts- und Polit-Schweiz verstanden zu haben: Tags darauf kostete der Euro nach über einer Woche erstmals wieder mehr als Fr. 1.10. Jetzt muss es den Fantasie-Wechselkursen sofort an den Kragen gehen. Als letzte Massnahme bleibt der Boykott. Wenn es der Bundesrat nicht klar aussprechen will, müssen die Konsumenten selbst danach handeln. Und auch auf überrissen teure Schuhe aus dem Hause Schneider-Ammann verzichten.

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