Der Kommentar: Die deutsche Regierung versuchte während zweier Jahre, das Euroschuldenproblem mit Durchwursteln zu lösen. Jetzt hat sich die EU für eine Politik der Eskalation entschieden. Die Massnahmen gegen Zypern waren von Anfang an nicht durchdacht und wurden mehrfach geändert. Der konfiskatorische Zugriff auf die Einlagen zypriotischer Banken und die Kapitalkontrollmassnahmen richten irreparablen Schaden an.

Die hochgezogenen Kapitalschranken führen
de facto zu einer Spaltung des Euros. Währungsunionen definieren sich dadurch, dass Kapital frei zirkulieren kann, dass eben keine Barrieren eingerichtet werden. Man stelle sich nur vor, die Einwohner des Kantons Genf könnten ihre Franken plötzlich nicht mehr in der Restschweiz ausgeben. Eine absurde Vorstellung, die nun aber in Europa Realität geworden ist.

Die Folgen sind verheerend: Erstmals seit seiner Einführung zirkulieren zwei verschiedene Euros. Der eine, der frei ausgetauscht werden kann, und der Zypern-Euro, der nur noch auf der Mittelmeerinsel ausgegeben werden kann und zwischen 20 und 30 Prozent weniger Wert ist als der Rest-Euro.

Dieses Aussperren Zyperns aus der Euro-Zone stürzt die Währungsunion in eine Vertrauenskrise. Portugiesen, Spanier und Italiener werden sich dreimal überlegen, ob sie ihr Geld auf ihren Banken belassen oder – solange sie noch können – in ein anderes Land transferieren sollen. Für die Schweiz, für England, die USA und Asien ist das Krisenmanagement der Euro-Staaten ein Geschenk. Sie müssen nur warten, bis die Gelder zu ihnen fliessen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!