Der Kommentar: Die Aussage wiederholt sich jährlich, zuletzt vor wenigen Tagen: «Die Schweizer Universitäten sind Weltspitze», hiess es wieder einmal, nachdem die neusten Hochschulrankings erschienen waren. Und das stimmt. Doch unsere Universitäten spielen auch in der Amateur-Liga, und zwar dann, wenn es um den Frauenanteil geht. Über 40 Prozent der Lehrstühle sind in Skandinavien von Frauen besetzt. Auch in Spanien oder Frankreich ist die Quote deutlich höher als in der Schweiz, wo der Anteil bei 18,3 Prozent liegt. Das passt so gar nicht zum Selbstverständnis unserer Universitäten.

Der Bund versucht, die Probleme schon lange mit neuen Strukturen und finanziellen Anreizen zu lösen. Doch das gelingt nur schleppend. Zwar steigt der Frauenanteil kontinuierlich, aber nur marginal. Zuletzt um 0,5 Prozent. Geht es in diesem Tempo weiter, brauchen die Hochschulen bis 2026, um auf die angestrebten 25 Prozent zu kommen.

Neben den neuen Aktionsplänen wird es deshalb Zeit für eine Rektorin. Nur an einer Schweizer Universität steht eine Frau an der Spitze – in Neuchâtel. Auch der Deutschschweiz täte eine Frau an vorderster Front gut. Eine, die junge Studentinnen inspiriert und als Vorbild dient. Eine, die das Bild der Universitäten in der Öffentlichkeit prägt. Das gelingt den drei Bundesrätinnen in der Regierung. Das gelingt Jasmin Staiblin und Martullo-Blocher sogar in der männerdominierten Wirtschaftswelt. Und das würde auch in der akademischen Welt gelingen. Eine starke Rektorin könnte Änderungen schneller herbeiführen als die Aktionspläne. Damit unsere Unis auch in diesem Bereich Weltspitze werden.

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