Der Kommentar: Endlich ist Schluss mit kompliziertem Ticket-Lösen. Neue Apps ermöglichen eine bequeme automatische Abrechnung. Entwickelt werden sie nicht von den SBB, sondern von kleinen und mittelgrossen Verkehrsbetrieben. Typisch, könnte man meinen.

Wann immer im öffentlichen Verkehr etwas schiefläuft, ist der Schuldige schnell ausgemacht. Egal, ob ein Zürcher Tram wegen Laubs auf den Schienen nicht bis zum Zoo hochkommt oder in einem Genfer Bus eine Tür klemmt: Reklamiert wird nicht zu selten bei den SBB. Auch der unbeliebte Swisspass, eine Branchen-Lösung, wird als SBB-Produkt verstanden.

Dabei besteht das Schweizer öV-System aus unzähligen Verkehrsbetrieben, die in Dutzenden Verbänden und Gremien vereint und von der öffentlichen Hand abhängig sind. Die überproportional hohe Aufmerksamkeit, welche die SBB erfahren, führt zu einem hohen Druck – und kann die Entwicklung von innovativen Ideen bei den SBB bremsen. Deshalb lassen die Staatsbahnen nur zu gern auch mal anderen, kleineren Betrieben den Vortritt.

Die BLS, Postauto oder auch die Südostbahn haben das verstanden und bringen beispielsweise bequeme Abrechnungs-Apps auf den Markt. Dieser Föderalismus im öV ist sinnvoll. Kleinere Anbieter können genauso innovativ sein wie die SBB. Sie sind oft sogar flexibler und schneller. Umgekehrt darf man sich aber auch daran erinnern, dass nicht für jede kaputte Anzeigetafel die SBB Schuld sind – und auch der Bahnriese ein Anrecht aufs Fehlermachen und Experimentieren hat.

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